Die Offizielle Fanfiction-Universität von Mittelerde (OFUM)
von Camilla Sandman, übersetzt von Cúthalion

Kapitel 54
Nicht ganz so stille Abende und große Pläne in Sicht

Ach... die stillen Abende in der Lehrkörper-Abteilung. Poker, gespielt im Mittelerde-Stil auf LangenTischElrond, was konnte wohl besser sein?

„Ich will sehen – und ich gehe zehn Orks rauf.“ erklärte Sauron und starrte Morgoth an.

„Fein.“ erwiderte Morgoth und legte die Karten nieder.

„Du hast gemogelt!“

„Natürlich habe ich das! Genau wie du – aber ich mogle besser!“

Lina gluckste leise; sie legte ihren Kopf in Gimlis Schoß zurück und starrte müßig in den Kamin. Legolas saß ganz in der Nähe, tief in ein Gespräch mit Celeborn vertieft. Der Elbenherr hatte eine Menge Tipps, wie man es anstellte, kein Lustobjekt zu werden. Traurigerweise schloss einer davon eine Ehefrau mit ein, die Gedanken lesen und mögliche Rivalen von vorneherein ausmachen konnte – und die dann dafür sorgte, dass sie durchdrehten.

Boromir war ins Bett gegangen; er hatte endlich sein Schlafproblem gelöst. Boramir war zu einem Ohrenschützer geworden, dessen Flügel sich ganz ausgezeichnet dazu eigneten, Geräusche abzublocken, und er war ihm für einen Teller Speck gern behilflich.

Elrond kam herein. Er sah beinahe aufgekratzt aus.

„Guten Abend, Herr Elrond.“ sagte Miss Cam, ohne von der Skizze aufzublicken, an der sie gerade zeichnete.

„Das ist er, ganz sicher. Meir Brin hat das Layout für ,Natürlich Neun!’ beendet, wir können es vom Stapel lassen.“ Elrond rieb sich die Hände auf eine Art, die Lina zusammenzucken ließ. Die Studenten würden Elronds neuesten Plan sicher nicht schätzen. „Weiß irgend jemand, warum Arwyn aussieht, als hätte sie eine neue Peitsche bekommen?“

„Sie hat ein Lustobjekt, und sie ist der erste Mini-Balrog, der das geschafft hat. Ich denke, dass 70’s Boy Arwen gemeint hat, aber was geschrieben steht, steht geschrieben.“

„Aber Glorfindell ist in Penns Zimmer gezogen.“ Lina hob den Kopf. „Ryven, ihre Zimmergenossin, hatte fast einen Herzanfall.“

„Glorfindell befindet sich in einem labilen Geisteszustand, nachdem er Frodo aus einer Hobbit-Niedertrampelei herausholen musste und Hunni Faboo dabei auf seine Peitsche getreten ist. Sie wissen, wie sich Balrogs mit ihren Peitschen haben.“ erwiderte Miss Cam und beäugte ihr eigenes Exemplar. „Penn war damit einverstanden, ihn so lange zu verhätscheln, bis er seine Grimmigkeit zurückgewonnen hat. Immerhin, wenn man sein Lustobjekt schon nicht haben kann, warum nicht die Mini-Balrog-Version von ihm – oder von ihr?“

„Sie hören trotzdem nie auf, es zu versuchen.“ sagte Thundera Tiger und tätschelte Legoals und Grimli. „Heute hatten wir den ersten Versuch, die Hexenmauer niederzutrampeln.“

Lina schreckte hoch. „Sie hatten einen – was?“

„Neverhere und Seegras haben beide versucht, sich auf die Hexenmauer zu stürzen. Die war entzückt, aber dummerweise ist Seegras ein Ent und ein Ent, der auf eine Mauer losgeht, sorgt bei Saruman für Alpdrücken.“

„Also das war die Explosion und das fürchterliche Geschrei, das wir gehört haben.“ murmelte Lina.

„Nein, das schreckliche Gechrei kam aus dem neuen Kerker, den wir jetzt haben.“ erwiderte Dwimordene und schaute von ihrer „Erfolgsquoten für Drohungen“-Liste auf.

„Wofür?“

„Oh, das ist etwas, auf das Miss Cam gekommen ist. Sie hat eine Theorie, dass man, bevor man leidgeprüfte, selbsterfundene Figuren schreiben darf, erst den ,Leidenstest’ durchlaufen muss – eine Stunde Britney Spears hören, dann eine Stunde Cricket, dann eine Stunde Grammatikregeln und zuletzt eine Stunde eingesperrt mit der Hexenmauer. Sie meint, danach weiß man, wie es ist, zu leiden.“

„Oh, ganz sicher.“ erwiderte Miss Cam, die immer noch an ihrer Skizze zeichnete. „Ich nenne das interaktives Lernen. Nebenbei, wie soll man gut darüber schreiben, wenn man nicht weiß, wie es ist? Ich habe es an Shiana und Spider ausprobiert, nachdem ich sie bei dem Versuch erwischt habe, Schlaftabletten in Speck zu verstecken und ihn dann den Mini-Balrogs zu geben. Es war ziemlich... interessant.“

„Ahaa!“ spuckte Sauron, der Morgoths Karten sah. „Diese Runde gewinne ich!“

„Ich habe immer noch mehr Lustobjekte.“ antwortete Morgoth selbstzufrieden. „May hat die Verführung durch das wahre Böse erlebt!“

„Du hast dir deine Unterwäsche klauen lassen!“ konterte Sauron. „Ist das nicht ziemlich... zugig?“

Morgoth warf ihm einen mörderischen Blick zu. „Du hast versucht, einen meiner Anhänger zu beobachten – das kann man ja kaum mit ansehen!“

Lina gluckste. Die bewusste „Anhängerin“ hatte sich stolz zur „Bösen Herrscherin über alle Anhänger“ erklärt. Da es nur eine einzige gab, nahm niemand sonderlich Anstoß.

Gimli begann, langsam ihr Haar zu streicheln und sie duselte ein bisschen ein; sie fühlte sich warm und friedlich.

„Legolas, jemand versucht mal wieder, dich mit Mariah Carey zu verführen.“ sagte der Zwerg nach einer Weile, und Lina vernahm schwachen „Gesang“. Sie zog eine Grimasse.

„Das ist Boromirs Zimmer.“ erwiderte Legolas, „Jemand muss schon wieder versucht haben, einen Mini-Balrog zu bestechen, um die genaue Lage meines Fensters herauszubekommen.“

„Ach du liebe Güte.“ murmelte Lina schläfrig.

Es gab einige Schreie, zorniges Gemurmel und das Geräusch von schweren Gegenständen, die auf den Boden trafen. Ein paar Minuten später kam Boromir herein und sah aus, als sei er bereit zu foltern, zu verstümmeln und dann zu töten.

„Miss Cam, kann ich jetzt gleich eine Studenten-Versammlung einberufen? Wir können sie ,Sport-Aktivität’ nennen oder ,Mitternächtliche Abwehrstaffel für die Mini-Balrogs’. Die brauchen das Training.“

„Die Studenten haben sich mehr sportliche Aktivitäten gewünscht.“ erwiderte Dwimordene, dann fügte sie mit gesenkter Stimme hinzu: „Und wir könnten durch den Palantír zusehen.“

„Warum nicht? Wir können es als Seminar über den Grund deklarieren, warum man keine in Klammern geschriebene Autoren-Bemerkungen im Text verstreuen soll, und wir könnten den Kurs passend dazu mit Felsbrocken bestreuen. Immerhin ist es ein bisschen so, als würde man den Fluss einer Geschichte unterbrechen.“ antwortete Miss Cam.„Der Schulleiter hätte nichts dagegen.“

„Ich beantrage, dass Lina hierbleibt, damit sie mir bei meinen ,Wie schnell schlafen Menschen ein’-Studien behilflich sein kann.“ sagte Gimli rasch.

„Schön. Morgoth, Sauron – würden Sie nicht lieber gehen und die Studenten aufwecken, anstatt sich gegenseitig niederzustarren?“

Die beiden Dunklen Herrscher beäugten einander noch ein paar Sekunden länger, aber der Drang des Bösen überwog dieses Mal die Lust an der Eitelkeit.

„Ich werde Soupaness und Neko-chan aus dem Teich fischen, in den die Mini-Balrogs sie geworfen haben. „ sagte Thundera Tiger und stand auf. „Sie sollten inzwischen gelernt haben, sich nicht als Morgoth zu verkleiden, um an den Mini-Balrogs vorbei zu kommen.“

„Sie sehen wahrscheinlich furchterregender aus.“ sagte Sauron selbstzufrieden, als er und Morgoth hinausgingen. „Wenigstens haben sie erkannt, dass die Mini-Balrogs mehr Respekt für mich haben als für dich...“

Die Halle leerte sich; übrig blieben nur Miss Cam, die an ihrer mysteriösen Skizze zeichnete, Elrond, der ein Buch durchblätterte und Lina und Gimli vor dem Kamin. Ein paar schwache Schreie waren zu hören, aber in ihrem schläfrigen Zustand bekam Lina das kaum mit. Sie wusste nur, dass sie glücklich gewesen wäre, für immer dort zu bleiben, wo sie war.

„Was zeichnen Sie da?“ fragte Gimli Miss Cam, während er Linas Haar weiter streichelte. „Noch einen Kerker?“

„Nein. Das ist für die nächste Stunde von ,Mittelerde-Grundwissen’. Ich habe mich dazu entschlossen, mich auf die verschiedenen Arten zu stürzen, die man in Mittelerde antreffen kann. Aber nachdem so viele unter dem Eindruck leben. Mittelerde sei mit Feen, Vampiren und Einhörnern übersät ist, und dass Halbelben normal und zahlreich vertreten sind, habe ich entschieden, den Unterricht interaktiv zu gestalten.“

Miss Cam lächelte. „Das sollte sehr interessant sein. Richtig, Herr Elrond Halbelb?“

„Ganz bestimmt.“

„Oh, oh...“ dachte Lina, eben als sie in den Schlaf hinüberglitt. „Elrond und Miss Cam zusammen in einem Projekt. Das kann nichts Gutes bedeuten.“

Das letzte, was sie hörte, war Elronds Gelächter, das höchst seltsam in ihrem Kopf widerhallte.


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