Die Offizielle Fanfiction-Universität von Mittelerde (OFUM)
von Camilla Sandman, übersetzt von Cúthalion

Kapitel 55
Interaktive Lernwoche – und warum Schweigen eine Tugend ist

Manchmal scheint sich das Schicksal zu verschwören, um es einem so richtig zu zeigen. Strömender Regen, wenn man draußen sein muss, strahlender Sonnenschein, wenn man gezwungen ist, drinnen zu bleiben. Keine durchgehenden Fans, wenn man gelangweilt ist und die Unterhaltung brauchen könnte, und gleich drei durchgehende Rudel auf einmal, wenn man es eilig hat und zum Unterricht muss. Und natürlich eine Versammlung im Freien, wenn alles, was man tun möchte, ist, sich an einen Zwerg zu kuscheln.

„Guten Morgen.“ sagte Miss Cam und lächelte auf diese eigenartig unheimliche Weise, die die Mini-Balrogs üblicherweise dazu brachte, in Deckung zu gehen. „Ich hoffe, wir haben Sie allesamt aus angenehmem Schlummer geweckt.“

„Ja...“ murmelte Kye und schaute hinunter auf ihr frisch gelocktes Fußhaar (auf das Hobbits sehr stolz waren). Sie hatte die Haare in Form eines „F“ frisieren lassen, weil sie ein ziemlicher Frodo-Fan war, aber die Regen hatte all die harte Arbeit ruiniert.

„Wunderbar. Nun, Elrond und ich hatten eine kleine Unterhaltung, und wir haben erkannt, dass die Schwierigkeiten, die die Studenten gehabt haben, unser Fehler gewesen sind.“

„Wirklich?“ fragte Mouse hoffnungsvoll. Lina seufzte. Solche Hoffnungen durfte man auf der OFUM niemals hegen. Sie zerschlugen sich immer, so sicher, wie die Fans durchgingen, wenn Legolas erschien.

„Ja.“ erwiderte Elrond. „Wir waren zu nett.“

„Wieso mag ich nicht, wie sich das anhört?“ flüsterte Dot Lina zu.

„Weil du jetzt schon lange auf dieser Universität bist und weil du Elrond kennst.“

„Gutes Argument.“

„Wir haben Ihnen auch nicht genügend Möglichkeiten gegeben, sich einzubringen,“ fuhr Elrond fort. „Hiermit erklären wir die Interaktive Lernwoche für eröffnet. Es wird keinen normalen Unterricht geben, aber viele Aktivitäten, auf die sich die Lehrer geeinigt haben. Ich vertraue darauf, dass Sie alle höchst... stimulierend finden werden. Ein paar von Ihnen haben sich anscheinend darüber beschwert, dass es hier auf der OFUM wenig Sport gibt. Deshalb dachten wir, wir fangen heute mit dem ,Sprachen-von-Mittelerde-Orientierungslauf’ an.“

Nen schaute genervt drein und jammerte ein bisschen darüber, dass sie keine Füße zum Laufen hatte. Lina war sich nicht ganz sicher, was genau Nen eigentlich war, aber sie war umso sicherer, dass sie es nicht herausfinden wollte.

„So ist’s recht, Kinderchen.“ Miss Cam lächelte immer noch. „Sie werden in Vierergruppen aufgeteilt. Jede Gruppe hat eine Karte, die natürlich in Westron geschrieben ist. Sie werden dann zu jedem Streckenposten gehen, der auf Ihrer Karte markiert ist und die Hinweise in verschiedenen Sprachen mitnehmen. Die zusammengesetzten Hinweise werden Ihnen den Platz zeigen, wo ich und Elrond warten werden. Wir werden Ihnen dann einen Pass aushändigen, der Ihnen wieder den Zugang zur Universität erlaubt. Wenn irgendjemand von Ihnen in Schwierigkeiten gerät... wir haben ein paar Mini-Balrog-Rettungstrupps in der Gegend. Brüllen Sie einfach vor Pein, wenn Sie Hilfe brauchen.“

„Die werden entzückt sein, Sie zu retten.“sagte Elrond und wechselte einen Blick mit Miss Cam. Sie grinsten beide.

Lina seufzte, als sie mit Daydreamer, Marina und Jessica in eine Gruppe gesteckt wurde. Obwohl, sie hatte noch Glück. Dot sah leicht verzweifelt drein, denn sie wurde mit CY „Super-Chaos“ eingeteilt, die bekannt dafür war, dass sie einmal im Monat selbst den Einen Ring liebevoll und fürsorglich aussehen ließ.

Die OFUM lockte ganz sicher eine ganze Menge „farbiger“ Leute an. Sie wirkte sogar anziehend auf Leute, die Feldforschungen in Seltsamkeit anstellten, zuletzt eine gewisse Ally (sie behauptete, sie studiere hier, um ihr humorvolles Schreiben zu verbessern. Lina hatte den Verdacht, dass sie einfach Spaß daran hatte, andere unter dem harten Blick Elronds wimmern zu sehen).

„Könnten wir nicht einfach Elrond und Miss Cam folgen und so die Stelle finden, an der sie warten?“ flüsterte Julia (der Mensch, sie hatten auch einen Elb, der so hieß) einer anderen Studentin zu, die in der Nähe stand.

„Das würde ich nicht empfehlen.“ Der Felsen zu ihren Füßen verwandelte sich in Shadow. „Aber versuchen Sie es ruhig mit allen Mitteln.“

„Komm schon, Julia.“ sagte Moriagen. „Vielleicht wandern Glorfindel oder Legolas dort draußen herum, und wir können sie retten.“

Lina sah, wie Miss Cams Augen schmal wurden, als sie die Bemerkung über das Retten gehört hatte. Oh oh. Das würde später Ärger geben, ganz sicher.

Die Gruppen verteilten sich; ein paar von ihnen versuchten, die Karte zu enträtseln, andere wanderten nur zufällig herum und hofften offensichtlich darauf, mit viel Glück über die Streckenposten zu stolpern. Lina und Marina (die für sich in Anspruch nahmen, Valar zu sein, was ganz nützlich sein konnte) lokalisierten den ersten Streckenposten schnell in der Garnison von Minas Tirith, und die Gruppe marschierte los. Es hatte endlich aufgehört zu regnen und die Sonne kam heraus, um sich die Show anzusehen.

Es war feucht und scheußlich und ziemlich schlammig, während sie dahinwanderten; sie bekamen recht häufig genervte Schreie mit, wie „Ich habe mir meinen Nagel/ den hohen Absatz von meinem Schuh/ mein glitzerndes ,Ich liebe Legolas’-Banner abgebrochen“. Sie konnten zwei Studenten sich darüber streiten hören, wie weit Bruchtal entfernt war, wo sie einen Hinweis vermuteten („Zwei Tage!“ – „Zwei Wochen!“), womit keiner von beiden der richtigen Antwort auch nur nahe kam.

Barlog der Balrog war eine Art Rettungszentrale, weil er groß war und weit sehen konnte. Dummerweise mussten die Mini-Balrogs, wann immer jemand tatsächlich in Schwierigkeiten steckte, darauf warten, dass er aufhörte zu lachen, damit er imstande war, sie in die richtige Richtung zu schicken. Wandern in der Wildnis war nicht gerade eine einfache Angelegenheit, und viele hatten eine Rettung nötig, was die Mini-Balrogs wirklich in Entzücken versetzte.

„Im Film und im Buch sieht es so einfach aus.“ murmelte Daydreamer.

„Das liegt daran, dass du da anderen Leuten dabei zusiehst.“ antwortete Ne-chan neben ihr und schlug nach dem nächsten Insekt, das vor ihrem Gesicht herumsummte. „Was ist das hier, eine Insekten-Versammlung?“ (Das war es tatsächlich. Das ,Jährliche Treffen für die Anerkennung der Insekten’ hatte sich versammelt, um die Anerkennung einzufordern, die sie verdienten. Keine wahre Wanderung in der Wildnis war schließlich vollkommen ohne ihre nervtötende Anwesenheit. Und doch vergaßen die Fanfiction-Autorinnen sie so oft!)

„He, ich habe eine Idee. Ich bin die Herrin der Drachen, ich werde einfach Smaug herbeirufen.“ sagte Marina nach einer Weile. „Wir können auf ihm reiten!“

„Nein, tu das nicht...“ begann Jessica, aber es war zu spät.

„SMAUG!“

Ein lautes Rumpeln folgte.

Es gab ein dröhnendes, schnaubendes Geräusch.

Sie spürte einen kraftvollen Luftstrom, als sie und der Rest der Gruppe von starken Klauen gepackt wurde. Und dann sah der Erdboden von oben plötzlich sehr klein und beinahe lego-ähnlich aus. Smaug schnaubte wieder.

„Er sagt ,Smaug glücklich, Euch herumzufliegen, und wenn Ihr I.N.W.F.O.S.N.I.F.A unterstützt, er sehr entzückt’“ übersetzt Harle, der Minidrachen, der dicht an ihnen vorbeibrummte.

„Reeeiii...zend. AU!“ wimmerte Lina und schaute nach unten. Sie flogen wirklich sehr hoch. „Könnte er mich bitte nicht ganz so fest halten? Au!“

Der Griff lockerte sich sofort – ein wenig zu sehr.

„Notiz an mich selbst: Halt den Mund. Reden bedeutet Schmerz. Schweigen ist eine Tugend.“ dachte Lina grimmig und wimmerte, während sie fiel. He, sie konnte Morgoth und Sauron von hier oben sehen; es sah aus, als würden sie ... den Gang auf einem Laufsteg üben? Was zum...?

Hier kam der Erdboden.


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