Die Offizielle Fanfiction-Universität von Mittelerde (OFUM)
von Camilla Sandman, übersetzt von Cúthalion

Kapitel 45
Viel Lärm um Namen und Mini-Balrogs

„Sehen Sie, und deshalb kann ein Hobbit nicht ,Britney’ genannt werden, egal, wie sehr Sie Britney Spears lieben und wünschen, Sie wären wie sie.“ fuhr Miss Cam dröhnend fort. „Genauso wie man eine Elbin nicht einfach ,Ballade’ nennt, selbst wenn sie gerne welche singt. Und Ihre Figur nach einer Farbe zu nennen... überlegen Sie sich das noch mal. Vor allem, wenn Sie Pink lieben oder, was die Valar verhüten mögen – Urpur.“

Die Klasse stöhnte bloß; einige schliefen fast auf ihren Tischen ein. Gestern hatte es nicht viel Schlaf gegeben – die Uruk-Hais hatten dafür gesorgt.

„We hätte auch vorhersehen können, dass sie Nacktkeit mögen und die „Uruk-Hai-Nudisten-Gesellschaft“ gründen würden?“

„Ich dachte, ich erblinde und versage in meinem Kreuzzug, zu enthüllen, wo sich Éomer versteckt.“ erwiderte Curedhel elend. „Lina, du kommst doch in die Lehrkörper-Abteilung, hast du ihn gesehen?“

„Nein.“

„Wo ist er dann?“

„Verzeihung, ich glaube, ich rede gerade.“ sagte Miss Cam scharf. „Wie ich gerade sagte, der Große Professor hat eine ganze Sprache für Sie aufgeschrieben, um Namen zu finden, weshalb müssen Sie sich also eigene ausdenken?“

Niemand wagte eine Antwort. Miss Cam war notorisch bösartig an Tagen, an denen sie von einem Einbruchsversuch in die Lehrkörper-Abteilung geweckt wurde (Aralome und Aldarona hatten sich zusammen getan, um Legolas und Boromir zu erwischen; sie hatten versucht, sich als Mini-Balrogs zu verkleiden und so durch das Tor zu kommen. Traurigerweise kannten sie nicht den geheimen Mini-Balrog-Flügeldruck und wurden entdeckt).

„Dann macht es nicht. Nun, uns ist aufgefallen, wie fürchterlich falsch der Name eines gewissen, großen Maia buchstabiert wird, deshalb ist hier, um Ihnen zu sagen ,dass Sie ihn richtig schreiben sollen, oder Sie werden in etwas Unnatürliches verwandelt’: Gandalf!“

Gandalf trat ein, seinen Stab schützend umklammert. Zu allem Unglück hatten ein paar versucht, ihn zu stehlen und es fertig gebracht, sich in Kaninchen zu verwandeln. Die Nuzgul waren wild geworden, weil sie dachten, jetzt hätten sie endlich ein paar Bunny-Babys.

Es hatte Stunden gedauert, das Dureinander zu beseitigen und sämtliche fehlenden Bunny-Studenten zu finden. Und eigenartig genug waren die Karotten selbst dann noch verschwunden, als sie alle in Menschen zurückverwandelt worden waren.

„Danke sehr, Miss Cam. Ich bin Gandalf, das heißt G-A-N-D-A-L-F, nicht ,Gandalph’ oder ,Gandolf’. Sie dürfen mich auch ,Mithrandir’ nennen – wenn ich noch einmal darüber nachdenke, bleiben Sie wohl besser bei Gandalf. Das ist leichter zu buchstabieren als Mithrandir.Übrigens – die Studenten, die meinen Tee gestohlen haben – tatsächlich habe ich diesen Tee nicht gemacht., es ist mein Tee für... ähm...“ Gandalfs Stimme erstarb. „...andere Anwendungen. Sie sollten ihn nicht trinken.“

„Andere Anwendungen?“ fragte Karla verwirrt.

Miss Cam grinste.

„Wäre es nicht eine wunderbare Überraschung, das herauzufinden? Also gut, lesen Sie für das nächste Mal Kapitel sieben: ,Legen Sie Ihre Feinde mit Lachkrämpfen flach: Ein Führer zu idiotischen Elbennamen’. Die Klasse ist entlassen.“

Die Klasse ging leise hinaus; niemand fühlte sich besonders fröhlich. Immerhin ist es schwer, fröhlich zu sein, wenn man geistig damit beschäftigt ist, sich zu übergeben. Lina war trotzdem gut gelaunt (obwohl sie sich nicht auf ,Gemeine Günstlinge’ freute. Anscheinend war die Hexenmauer für diesen Anlass poliert worden). Leise vor sich hinsummend machte sie sich auf den Weg in die Bibliothek. Dort war es ziemlich ruhig, nur Rose beugte sich über ein dickes Buch mit dem Thema „Wie man die Jugend einschüchtert – lebenslange Angst in 10 leichten Schritten“.

„Was macht Elronds großes Projekt?“

„Oh... großartig.“ erwiderte Rose, ohne aufzuschauen.

„Hat er sich schon für eine bestimmte Methode entschieden?“

„Er nimmt an, dass man mit Furcht nichts falschmachen kann.“

Lina gluckste und erinnerte sich an Elronds große Ansprache in der Lehrkörper-Abteilung vom letzten Abend. Der Elbenherr hatte beschlossen, allen ,Zehntes-Mitglied-der-Gemeinschaft“-Fanfictions ein Ende zu bereiten, eine beinahe unmögliche Aufgabe (selbst mit einem Assistenten für die Recherchen). Aber wenigstens gab ihm das etwas anderes, auf das er sich konzentrieren konnte, als darauf, auf die anderen Studenten loszugehen und seine Erkennungsmelodie zu singen (eine Erkennungsmelodie, die dem Grand Prix D’Eurovision wirklich zur Ehre gereicht hätte. Lina konnte sich Elrond sogar dabei vorstellen, wie er sie vortrug, mit Elben-Backgroundsängern und Harfen. „Und für Mittelerde – douze points!“)

Ein paar von den Mini-Balrogs betrachteten interessanterweise ein Buch mit dem Titel: „Oberaufsicht – wie man der schärfste Aufseher von allen wird“. Was hatten diese kleinen Dämonen vor? Jetzt, wo sie darüber nachdachte... die Balrogs waren in letzter Zeit hart trainiert worden. Und nicht nur, um besser Wache zu halten; Lina hatte sie an Tischen sitzen und das Schreiben üben sehen. Es war fast, als übten sie sich in - Bürokratie.

Miss Cam kam hereinmarschiert und sah schrecklich genervt aus.

„Brandybook, Gloifendell, Glion – Ihr geht besser hinunter in die Küche. Ein paar von den Studenten haben schon einen Schluck von Gandalfs Tee genommen; sie leuchten so weiß, dass sie genauso gut ein Colgate-Zahnaufheller sein könnten. Ehrlich, dachten die wirklich, dieser Glanz kommt von ganz alleine, und dass man einfach so von Grau zu Weiß wird? Wie auch immer, Ragna will ihnen helfen, also geht ihr besser und rettet sie.“

Die drei Mini-Balrogs machten sich davon und ließen Miss Cam zurück, die auf einen Stuhl sank.

„Sind Sie in Ordnung?“ fragte Lina, ohne nachzudenken.

„Ja, ja... ich brauche Urlaub. Das Einzige, was die Mini-Balrogs von Schriftverkehr verstehen, ist, ein Nest damit zu bauen.“

„Warum müssen die wissen, wie man Schriftverkehr erledigt?“ fragte Lina alarmiert. Verschiedene Visionen des Jüngsten Gerichtes schossen ihr durch den Kopf - die Mini-Balrogs übernahmen das Finanzamt. Die Mini-Balrogs kamen an die Regierung...

„Natürlich, damit sie die fertigen Studenten überwachen können. Haben Sie das Kleingedruckte auf der Rückseite nicht gelesen, in dem steht, dass Ihnen nach dem Abschluss ein Mini-Balrog-Aufseher zugeteilt wird, um sicherzustellen, dass Sie die Grundsätze der OFUM befolgen?“

„Ähm... nein.“

Miss Cam grinste. „Also weiß keiner der Studenten Bescheid?“

„Nicht wirklich.“

„Oh Mann. Wie großartig! Was dachten Sie, was wir mit all den Mini-Balrogs tun würden?“

„Ähhhm... sie behalten, vielleicht?“

„Wofür sollte ich eine Mini-Balrog-Armee brauchen? Sie vermehren sich schneller, als wir hinterherkommen. Ich sollte jemanden einstellen, der eine Mini-Balrog-Liste führt, also wirklich.“

Lina schaute zu Boden und entdeckte ein panisches Häschen, das zu ihren Füßen auf und nieder hüpfte, einen Nuzgul auf den Fersen.

„Das dürfte unsere fehlende Studentin sein. Ich bringe sie besser zu Gandalf – wenn ich ihn dazu bringen kann, sich von seiner neuen Fanmädchen-Bewegung ,Geil auf Gandalf’ loszureißen. Wissen Sie, als nächstes haben wir dann tatsächlich ,Rollig auf Ragna’. Du liebes Elend!“

„Vielleicht würde es helfen, wenn wir mehr männliche Studenten hätten, die keine Uruk-hais sind.“ schlug Lina vor. „dann würden sich die Hormone nicht nur auf ein einziges Ziel richten.“

„Keine schlechte Idee. Vielleicht werde ich das dem Schulleiter vorschlagen. Komm her, Häschen-Student....“

Sie hob das strampelnde Häschen auf und warf dem Nuzgul einen harten Blick zu. Der Nazgul-Bunny hüpfte schmollend davon.

„Keine Rast für die Bösen.“ Sagte Miss Cam mit einem Seufzen. „Oh ja... und sollten Sie die Pläne, dass die Mini-Balrogs Aufseher werden sollen, gegenüber irgendjemandem erwähnen, dann werde ich Sie in ein Fass mit Urpurfarbe tunken müssen. Das könnte Spaß machen. Der Ausdruck in den Gesichtern der Studenten – ich glaube, dabei sollten sämtliche Lehrer anwesend sein.“

Ein Mini-Balrog-Aufseher. Lina seufzte ebenfalls. Das wäre komisch – aber hey, wenigstens war es ein dauerndes Souvenir aus Mittelerde.

Sie wünschte bloß, das wäre nicht so --- böse.


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