Die Offizielle Fanfiction-Universität von Mittelerde (OFUM)
von Camilla Sandman, übersetzt von Cúthalion

Kapitel 44
Ein kerniger Zwerg und andere Pläne

Es war ziemlich erstaunlich, wie populär Galadriels Unterricht geworden war. Nicht nur, dass alle Studenten sämtliche Hausaufgaben machten, sie machten sogar Extra-Übungen. Lina hatte den Verdacht. Dass es die Aussicht war, ein Mitglied des Lehrkörpers zu bezirzen, die die meisten Studenten interessierte.... aber da war sicher irgend ein Haken. Es musste einen geben.

Wurden die Mini-Balrogs vielleicht als Mitglieder des Lehrkörpers betrachtet?

Besorgniserregender Gedanke. Na gut... sie musste sich nicht viele Sorgen machen. Galadriel hatte sie bereits darüber informiert, dass sie bestanden hatte – sie hatte es fertig gebracht, einen Zwergen zu bezirzen. Allerdings hauptsächlich aus Versehen.

Lina lächelte. Ihre Klassenkameradinnen wussten ja nicht, was ihnen entging. Vielleicht sollte sie eine Organisation gründen, um die gute Nachricht zu verbreiten – Anerkennung für kernige Zwerge! Der Kreuzzug für Größeren Guten Willen für Gimli! „Wagt es, anders zu sein – probiert es mit einem Zwerg!“

Sie gluckste sanft und lauschte nur halb dem Geplauder von Sam und Rosie über die Kunst der Hobbits, einander den Hof zu machen (Fußkitzeln wurde als „Na los doch!“ betrachtet? Hehehe.)

Das Leben war gut, nicht wahr? Das zweite Semester näherte sich dem Ende, das dritte und letzte Semester sah vielversprechend aus und...

Das dritte und letzte. Eine plötzliche Erkenntnis überkam sie – in nicht allzu ferner Zukunft würde sie diese Universität verlassen und in ihre Welt zurückkehren müssen. Und Gimli – Gimli, wegen dem sie sich lebendiger fühlte als je zuvor – ihn würde sie auch verlassen müssen.

„Und dann leben Sie glücklich bis zum Ende ihrer Tage.“ sagte Sam strahlend.

„Dankeschön, Sam.“ Galadriel lächelte. „Wir werden nächste Woche einen Blitztest darüber machen. Die Klasse ist entlassen.“

Lina fing an, ihre Bücher einzusammeln, als sie entdeckte, dass eine Gruppe zurückzubleiben schien.

„Also sind wir soweit?“ flüsterte Shada mit leiser Stimme. Pennhothwen und Stephanie nickten und hielten gleichlautende Stundengläser hoch. Jera zeigte beide erhobenen Daumen.

„Ich kann nicht glauben, dass Éowyn einverstanden war, mitzuhelfen.“ wisperte Mytsie.

„Ich habe sie davon überzeugt, dass es Boromir davon abhalten wird, jede Nacht an ihre Wand zu hämmern.“ grinste Tabby.

„Tabby, bereit, die Mini-Balrogs abzulenken?“

„Ja.“

„Ich habe den Tee.“ sagte Kala und hielt einen dampfenden Topf hoch. „Aber was ist mit dieser Warnung, in der es heißt: ,Gefahr für die Umgebung’?“

„Ignoriere sie.“ erwiderte Thalia. „das schreiben sie bloß darauf, damit wir nicht alle anfangen, das Zeug zu trinken und unsichtbar zu werden. Erinnert Euch, der ist nur für den Notfall.“

„In Ordnung. Dann erkläre ich die Operation ,Nackte Tatsachen“ für eröffnet. Thalia, du holst den Korb für die Kleider.“

„Oh oh...“ murmelte Lina, hin- und hergerissen zwischen Neugier und dem Wunsch, sonst wo zu sein, wenn der große Plan in die Luft flog. Sie flogen immer in die Luft. Das war eine allumfassende Wahrheit.

Vielleicht konnte sie einfach aus der Entfernung zuschauen. Aber ,Neugier war der Katze Tod’ – obwohl sie zufrieden starb. Ach, zum Teufel. Das musste sie einfach sehen.

Die kleine Gruppe hatte offenbar sorgfältig geplant – mit Tabby, die Saron und Morogoth ablenkte, die vor der Lehrkörperabteilung Wache standen (nicht dass sie etwa besonders schwer abzulenken gewesen wären, wenn man das sagen darf). Der Rest schlüpfte hinein, und Lina wartete.

Zu ihrer Überraschung gab es keinen Schrei, keine Explosion und kein entsetztes Kreischen. Ein paar Minuten später kam die Gruppe ganz einfach wieder zurück, den Korb mit Kleidung gefüllt.

Was zum---!

„Wir haben es getan! Wir haben die Kleidung von allen Mitarbeitern!“ sagte Jera aufgeregt. „Ich werde Sam splitternackt sehen!“

Lina starrte hinter ihnen her, während sie begeistert davongingen und sich bereits darüber stritten, wer welches Kleidungsstück hatte. Hatte das Universum versagt? Es gab nur einen Weg, das herauszufinden...

Morgoth und Sauron waren damit beschäftigt, die Größe ihrer Schatten zu vergleichen und machten sich nicht einmal die Mühe, aufzuschauen, als sie vorbeikam. Die Lehrkörperabteilung schien still genug zu sein, wie immer am „Wasch- und Nervenputztag’, wie Miss Cam ihn gerne nannte.

„Hallo, Lina,“ sagte Frodo, der herauskam. Er putzte den Ring (immerhin war es ja Putztag) und der Ring strahlte vor Stolz.

„Du bist angezogen!“antwortete Lina, ohne nachzudenken.

„Was?“ Frodo blinzelte. „Du klingst wie eines der Hobbitmädchen, aber die sagen das üblicherweise mit mehr Enttäuschung.“

„Entschuldigung, ich meinte... es ist Waschtag, nicht?“

„Es ist ein Waschtag. Viele Mitarbeiter, deshalb haben wir unterschiedliche Tage.“

„Und heute ist...?“

„Waschtag des Bösen.“ Frodo zuckte die Achseln. „Miss Cam sagt, so macht es mehr Sinn; weil sie hauptsächlich Schwarz tragen und dunkle Farben zusammengehören.“

Lina starrte ihn an. Dann brach sie zusammen und lachte so heftig, dass ihr die Tränen kamen. Natürlich. Éowyn hatte vermutlich „vergessen“, es den Studenten zu sagen.

„Ich sage dir, ich kann dafür sorgen, dass sie aufhören, dich auszulachen.“sagte der Ring. „Niemand lacht über Frodo-den-Dunklen-aber-Anbetungswürdigen.“

„Ich bin... es ist nicht Frodo... Die Kleider!“ keuchte Lina.

„Ja... trag mehr dunkle Sachen, Frodo!“ fuhr der Ring fort.

Falls der Ring noch einen anderen Ratschlag auf Lager hatte, dann bekam sie ihn nicht mit. Ein Geräusch drang aus der Sauna. Es klang wie hundert zischende Uruk-hai.

Ohne nachzudenken, schloss Lina die Augen und stellte sich schützend vor Frodo (der zu verblüfft war, um zu protestieren). Sie war ziemlich sicher, dass splitternackte Uruk-hai so ziemlich jeden erblinden lassen würden.

Die Menge trampelte vorbei, immer noch zischend. Diesmal widerstand Lina dem Drang, die Augen zu öffnen. Manche Dinge musste man einfach nicht wissen... wie Gandalf Essen zubereitete, wie Mini-Balrogs sich fortpflanzten, und wie Uruk-Hai nackt aussahen.

„Mein Gold! Mein Gold!“ wimmerte der Ring. „Wie kann ich jemals wieder golden leuchten, nachdem ich das gesehen habe?“

Lina wagte es, ein Auge zu öffnen und stellte fest, dass die Menge an ihnen vorbei war (und sich auf dem Weg in die Studenten-Abteilung befand, dem Geräusch nach zu urteilen). Frodo blinzelte überrascht, während der Ring fortfuhr zu wimmern.

„Was war das?“

„Hundert nackte Uruk-Hai, glaube ich.“ erwiderte Lina.

„Ja, und vielen Dank auch, dass du Frodo geschützt hast und nicht mich! Ich mag ein Ring sein, aber ich habe ein zartes Gemüt. Au, au, au...“

„Wie schlimm kann das denn gewesen sein?“ fragte Lina und bereute es auf der Stelle.

„Sie haben zwei!“ jaulte der Ring. „ZWEI! Und sie sind... sie sind...“

Es folgte ein kurzes Schweigen. Dann kreischten hundert Studenten auf einmal (alle, außer Jurtz, der Uruk-Hai-Student, der natürlich alles darüber wusste, wie Uruk-Hais ausgestattet waren).

Die Katze hatte Glück. Die Neugier war ihr Tod – sie musste nicht mit dem geistigen Eindruck leben.


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