Die Offizielle Fanfiction-Universität von Mittelerde (OFUM)
von Camilla Sandman, übersetzt von Cúthalion

Kapitel 39
Ein Ork namens „Plz R+R" und andere Schrecken

Es war ziemlich still in der Halle, als Lina sich auf den Weg in die Lehrkörper-Abteilung machte, das erste Mal seit ein paar Tagen. Das Schreiben von Essays und das Studieren hatte eine ganze Menge Zeit verschlungen, vor allem die Schautafel über „Geheiligte Zahlen“ in Elronds Unterricht.

Nur Linteloteiel, Aylee und Jurtz waren auf (Jurtz war der einzige Uruk-hai-Student, der sich ununterbrochen darüber beklagte, dass es keinen Unterricht bei Saruman gab). Sie arbeiteten an ihrem großen ,Eine Falle für den Elb’-Projekt. Lina war ziemlich sicher, dass sie nicht wissen wollte, was es enthielt. Sie war sich ebenfalls ziemlich sicher, dass es auf spektakuläre Weise fehlschlagen würde. Man konnte beinahe denken, dass das Universum sich gegen sämtliche ,Fallen für Dein Lustobjekt’-Pläne verschwor.

Es brannten kaum Lampen in der Lehrkörper-Abteilung, aber zu ihrer großen Überraschung betrat sie die Halle, um sämtliche Lehrer dort vorzufinden. Sie saßen alle über Papiere gebeugt; manchen gemeinsam, manche allein lesend in einer Ecke. Selbst Barlog, der Balrog las, auf seine Schwingen gestützt, während die Mini-Balrogs ihn als Bett benutzten. Es sah beinahe süß aus (abgesehen von der Tatsache, dass sie böse, feurige Dämonen waren).

Legolas schaute auf, als sie hereinkam, sein Gesicht eine Maske der Verwirrung.

„Warum denken so viele Leute, dass ich Aragorn attraktiv finde? Er ist weder ein Elb noch eine Frau!“

„Ääähm...“ sagte Lina, auf der verzweifelten Suche nach einer Antwort.

„Und warum rede ich dauernd über Brunnen? Ich leide nicht unter ständigem Durst!“

„Menschlicher Slang.“ erwiderte Lina, die sich auf etwas sichererem Boden fühlte. „Bloß etwas, das wir immer sagen. Was lest ihr denn da?“

„Geschichten aus eurer Welt. Miss Cam nennt das die Horrornacht... um sicherzugehen, dass wir nicht zu nett zu den Studenten sind.“

Aragorn, der ein paar Fuß weiter weg saß, starrte auf das Papier in seiner Hand, als wäre es ein tödlicher Feind.

„Niemals würde ich das mit einem Uruk-hai machen!“ platzte er heraus. „Welchen Teil von ,Wir bringen Dutzende von denen um, wenn sie einen von uns töten’ haben sie in deiner Welt verpasst?“

„He! Nicht unser Fehler, dass wir orkische Dummheits-Gene abgekriegt haben!“ rief Jurtz.

„He! Nicht unser Fehler, dass wir elbische Dummheits-Gene abgekriegt haben!“ gab ein Ork zurück.

„He!“ erwiderte Elrond. „Wir sind schlau. Sauron hat einfach den Stoffel-Trunk mit dem Schlauheits-Serum vermischt.“

„Hör mal, die fangen beide mit ,S’ an!“ sagte Sauron wütend. „Weißt du, wie dunkel es ist in Barad-dûr? Sich in Bosheit zu sonnen, bringt nicht so viel Helligkeit.“

„Bemitleidenswert.“ Morgoth schüttelte den Kopf. „Du bist eine Schande für den Titel, Sauron. Wieso gibt es überhaupt mehr Geschichten mit Sauron als dem Dunklen Herrscher als mit mir? Das ärgert mich.“

„Weil Legolas und Frodo während Saurons Herrschaft lebten.“ sagte Miss Cam knapp. „Du solltest froh sein. Hast du gesehen, wie Sauron in ein paar von diesen Geschichten wegkommt?“

Ein böses Grinsen breitete sich auf Morgoths Gesicht aus.

„Was? Eine Sterbliche starrt mich im Palantír nieder? Eine Weib ohne königliches Blut? Niemand starrt mich nieder!“ zischte Sauron; er hatte seine Aufmerksamkeit wieder der Geschichte zugewandt, die er las.

„Ich hab’s getan.“ sagte Aragorn selbstzufrieden und wurde mit einem bewundernden Blick von Arwen belohnt.

„Ha! Die bösen Orks hatten gerade Zwiebeln geschält, sonst hätte ich dich zu Tode gestarrt.“

Sofort begannen Sauron und Aragorn einander zu fixieren, während Arwen ihr besticktes ,Vorwärts, Aragorn!’-Banner hervorzog. Trotzdem schaute sie ein wenig verwirrt drein.

„Vater, wieso heißt es hier, Galadriel sei meine Mutter? Und wieso habe ich eine Schwester, die die ganze Zeit wegen Legolas jammert und sich aufführt, als wäre sie kaum ein Jahrhundert alt?“

Elrond war zu sehr auf seine eigene Geschichte konzentriert um achtzugeben; er murmelte etwas vor sich hin, das nach elbischen Flüchen klang.

Celeborn tätschelte Galadriels Hand, und sie sah ziemlich bleich aus.

„Diese Vorstellung... dass ich und Gandalf ein Kind haben... das ist zu viel...“ murmelte sie. „Ich muss an das schöne Lothlórien denken und meinen Geist reinigen.“

Lina machte sich auf die Suche nach Gimli, aber er war in der Dunkelheit schwer auszumachen. Die Hobbits drückten sich alle aneinander; sie sahen aus, als wären sie nicht sicher, ob sie schreiend vor Angst weglaufen oder hysterisch lachen sollten.

„Legolas, in dieser Geschichte beschäftigst du dich mit BDSM.“ sagte Frodo kichernd.

„BDSM – steht das für ,Beide Die Selbe Mähre’? Weil doch Gimli und ich uns die ganze Zeit ein Pferd teilen...“

„Nein. Es hat irgendetwas mit Ketten zu tun – vielleicht ist es eine Art Folter...“ erwiderte Frodo, der verstört aussah. „Warte, die sind...“

Sam, der schon ein bisschen weiter gelesen hatte als Frodo, riss ihm schnell das Papier weg.

„Du solltest das nicht lesen, Herr Frodo!“

„Sam, ich bin Kankra und den Schicksalsberg entgegen getreten. Was könnte schlimmer sein als das?“

Sam beugte sich vor uns flüsterte ihm etwas ins Ohr, und Frodo erbleichte.

„Was, was, was?“ beschwerte sich der Ring. „Lasst mich daran teilhaben! Ist es böse? Werft mir einen Knochen zu! Ihr braucht eure Pilze, ich brauche meine Bosheit!“

„Ach, sei still.“ sagte Boromir; er klang mürrisch (es war wohlbekannt, dass er den Ring und seine ständige Hänselei, er habe das Tempo einer Schnecke, nicht allzu sehr schätzte). „Wieso besteht diese Geschichte darauf, ich hätte eine verlorene Liebe? Ich denke, ich würde es wissen, wenn dem so wäre, und noch viel mehr wüsste ich, dass Faramir versucht hätte, mich wieder ,aufzubauen’.“

„Das würde dir gut tun!“ erwiderte Faramir und riss sich für einen Moment von Éowyn los (die beiden schienen die einzigen zu sein, die tatsächlich nicht lasen).

„Ich habe mich einem Leben mit den Waffen verschrieben.“ sagte Boromir.

„Ich kenne ein sprechendes Schwert...“ bot der Ring an und kicherte.

„Halt’s Maul.

„Wer ist dieser Plz R+R*?“ fragte Haldir verwirrt. „Ist das ein Ork? Ich begegne diesem Geschöpf in fast jeder Geschichte. Scheint sogar noch beliebter zu sein als Legolas.“

„Oh! Dann kann ich Plz R+R vielleicht mit jemandem von meiner Liste verkuppeln!“ sagte Legolas aufgeregt.

„Das ist bloß die Zusammenfassung.“ antwortete Lina, auf die Menge starrend. Wo war Gimli?

„Eine Zusammenfassung? ,Legolas findet Liebe. Plz R+R’ ist eine Zusammenfassung? Aber diese Geschichte ist eher über mich, wie ich sechs Kapitel hindurch herumjammere, wie gemein mein Vater ist, weil er mich zwingt, zu heiraten.“ Jetzt klang Legolas verwirrt. „Elben arrangieren keine Ehen. Wir haben es nicht eilig damit, uns zu binden. Wir leben ewig, wir haben Zeit, denjenigen zu finden, den wir heiraten wollen. Es ist nicht so, dass wir uns schnell fortpflanzen müssen.“

Endlich hatte Lina Gimli ausgemacht und ging leise zu ihm hinüber; sie versuchte, nicht auf Merry und Pippin zu treten („Aber wir sind Vettern!“ sagte Merry gerade und sah wahrhaft entsetzt aus).

„Wolltest du wirklich Schokolade über Legolas verteilen und sie von ihm ablecken?“ fragte Gimli, ohne aufzusehen.

Ich bringe mich um, ich bringe mich sofort um. dachte Lina verzweifelt. Er las ihre Geschichte.

„Ähhm... Ich war nur... ähm.... ja. Irgendwie schon.“ Gimli sah einen Moment lang beunruhigt aus, und Lina wand sich. Sobald sie zurück war, würde sie ganz sicher die Löschtaste drücken.

„Das war... damals.“ fügte sie hinzu. Gimlis Gesicht leuchtete auf.

„Was hältst du von Honig und einem Zwerg?“ schlug er vor.

*Plz R+R – Fanfiction-Kürzel für „Please Read and Review“ („Bitte lesen und bewerten“). Wird gern von schreibfaulen Fanfiction-Autorinnen benutzt.


Top            Nächstes Kapitel          Stories          Home