Die Offizielle Fanfiction-Universität von Mittelerde (OFUM)
von Camilla Sandman, übersetzt von Cúthalion

Kapitel 21
Gimli und die „nackten Tatsachen"

Es gibt Zeiten, da geht alles schief, was schief gehen kann. Na ja, nicht wirklich... denn wenn alles, das schief gehen kann, im Ernst schief ginge, wäre die Welt längst in die Luft geflogen. Aber es gibt Zeiten, in denen es sich so anfühlt, als würde tatsächlich alles schief laufen.

Wie zum Beispiel der Versuch, dich möglichst leise und unbemerkt auf die Toilette zu schleichen, weil eine gewisse Hexenmauer dort verrückt ist nach dir.... und dann bringst du es fertig, dich dort einzusperren. Drei Stunden voller Liebesgedichte und mit einer extrem geschwätzigen Mauer kann so ziemlich jeden in den Wahnsinn treiben und ist keine empfehlenswerte Art, den Tag zu beginnen.

Dich dann zum Frühstück zu trollen und herauszufinden, dass die Hobbits alles aufgegessen haben, während du in der Toilette eingeschlossen warst, und dass sie auch noch versucht haben, dein Haustier zu verspeisen - dass Brotbein Beine hat, ist noch lange kein Grund, es aufzufuttern (das arme Ding brauchte eine Stunde, bis es aufhörte zu zittern).

Es hilft auch nicht, danach zu entdecken, dass sich Zehchen in dein Zimmer geschlichen haben muss (oder dort von gewissen Bösewichtern zurückgelassen wurde), und dass das gesamte Essay vom Vortag mit Sätzen wie ,Es isst geferlich, ainen bößen Duncklen Härscher z ferergern’ übersät ist und verbessert werden muss.

Genausowenig ist es eine Freude, dass Gollum vorbeikommt, auf der Suche nach seinem ,Schatzzzz’, und dass er eine Ewigkeit braucht, den verflixten Ring zu finden, versteckt in deiner Schublade mit Unterwäsche. Als er sich endlich getrollt hat, entdeckst du natürlich, dass einiges von dieser Unterwäsche fehlt.

Und damit fängt der Morgen erst an. Beim Mittagessen beschließen deine Freunde, die gewünschte Information mittels Kitzelfolter aus dir herauszuholen. Und weil Dunkle Herrscher von Folter angezogen werden wie Zwerge von einer Mithril-Mine, gerät die ganze Sache außer Kontrolle. Als du endlich entkommen bist, stellst du fest, dass du schon wieder auf die Toilette musst, wo eine gewisse Mauer immer noch herumjammert. Wer hätte ahnen können, dass das Böse so ... so jämmerlich sein könnte? Und außerdem imstande dazu, so üble Poesie zu schreiben, dass Tom Bombadil stolz darauf wäre?

Gerade als du denkst, dass unmöglich noch mehr schief gehen kann, entdeckst du, dass ein gewisser Ent namens Langgrübler dein Zimmer fälschlicherweise für das seiner Entfrau gehalten hat (nicht, dass Lotus wirklich seine Frau war, aber er war überzeugt, dies sei der Fall, brachte ihr nach wie vor Enttränke und wollte umarmt werden), und dass er dich nicht vom Objekt seiner Begierde unterscheiden kann.

Und zu guter Letzt will dein Haustier einen Spaziergang machen und du landest in einem Unwetter.

Das war die Sorte Tag, die Lina hatte. Wenn noch mehr daneben gehen konnte, war sie nicht scharf darauf, es herauszufinden. Sie verbot sich trotzdem jeden „Was kann noch schief gehen“-Gedanken, weil, das geradezu eine Einladung ist, dass man es bewiesen bekommt, wie jedermann weiß. Die Götter... Gott... die bösen Mächte – woran immer man glaubte, hatten jede Menge Sinn für Ironie. Das schien eine sehr lebhafte, göttliche Qualität zu sein.

Sie duckte sich unter einen Baum und beschloss, den Sturm abzuwarten. Sie fragte sich kurz, ob wohl die Dunklen Herrscher ihn aufgeboten hatten, oder ob Gandalf wieder an seiner „Welches Wetter“-Hexe arbeitete (so etwas wie eine Küchenhexe, nur dass man von ihr erwartete, gutes Wetter zu bringen. Traurigerweise schien sie Lust auf das Gegenteil zu haben).

Schaudernd registrierte sie, dass sie so nass war, dass sie keinen trockenen Faden mehr am Leib hatte. Brotbein sah ebenso unglücklich aus, gab seine kleinen „Oyoy“-Geräusche von sich (sie mochte sich das einbilden, aber sie war sicher, dass Brotbein tatsächlich anfing, Worte aufzuschnappen) und starrte zu ihr hoch.

“Okay, lass uns die Beine in die Hand nehmen.“

Drei Ausrutscher im Schlamm später gelangte Lina endlich stolpernd nach drinnen. Zwei Ausrutscher auf dem Fußboden später erreichte sie ihr Zimmer, riss die Tür auf und zog ihr Oberteil aus.

Jemand rang scharf nach Atem. Lina wirbelte herum und betete, dass es nicht... Gimli stand in einer Ecke und schaute drein, als hätte er das Gelobte Land gesehen.

„Dot hat gesagt, ich soll hier drinnen auf dich warten.“ murmelte er. „Ich bin... hm... gekommen, um dich einzuladen zu... ähm... ich warte einfach im Flur.“

Er hastete hinaus, aber sie war sich sicher, das Lächeln auf seinen Lippen gesehen zu haben, gerade bevor sich die Tür hinter ihm schloss. Lina schloss die Augen und fiel auf’s Bett. Großartig. Ausgerechnet heute trug sie einen weißen BH und war in strömendem Regen gelandet. Brotbein kuschelte sich mitfühlend gegen ihr Kinn.

„Wieso sehe ich immer katastrophal aus, wenn Gimli oder Legolas in der Nähe sind, Brotbein? Glaubst du, das ist ein Fluch?“

„Oyoyoy...“ antwortete Brotbein.

„Recht hast du.“ grummelte Lina. „In Ordnung. Ich werde mich einfach anziehen und so tun, als würde das in meiner Welt jeden Tag passieren. Immerhin habe ich gehört, dass ein paar von den Mädels versucht haben, Legolas mit ihren nackten Tatsachen zu beeindrucken, also hat Gimli auch davon gehört. Vielleicht kann ich ihn davon überzeugen, es sei nur eine Art der Begrüßung...“ Sie öffnete ihren Schrank und versuchte sich zu entscheiden, was sie anziehen sollte. Das einzige Problem war, dass sie nicht viele saubere Sachen hatte. Sie sagte sich jetzt seit Tagen, dass sie waschen musste, aber sie hörte nie richtig zu.

„Was kann wohl noch schief gehen?“ stöhnte sie, ohne nachzudenken und fragte sich ob Dot etwas hatte, was sie sich borgen konnte.

Eine Sekunde lang war alles still.

„Oh Scheiße! Das habe ich nicht gemeint, ich habe nicht...“

Eine weitere Sekunde Stille, dann hatte sie das allermerkwürdigste Gefühl, zu fliegen... zu fliegen... zu fliegen... Oh Scheiße. Dieser Tag war heute!

„Notiz an mich selbst: Bleib während der ,Jährlichen Entwerfer-Meisterschaft’ vom Fenster weg.“ gelang es ihr noch zu denken, bevor ihr der Boden entgegenkam.


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