Die Offizielle Fanfiction-Universität von Mittelerde (OFUM)
von Camilla Sandman, übersetzt von Cúthalion

Kapitel 64
Epilog

Zu Hause.

Das Zimmer war so, wie sie es verlassen hatte; der Computer war noch an und die Worte, die sie vor einem Lebensalter geschrieben hatte, blinkten immer noch. Das Portal, durch das sie gegangen war, verschwand hinter ihr – sie war zu Hause in ihrer stillen Wohnung. Zu Hause.

„Oyoy?“ kam eine gedämpfte Stimme aus ihrem Rucksack.

„Brotbein! Du solltest doch in Mittelerde bleiben!“ rief Lina und öffnete den Rucksack.

„Oy!”

„Schon gut, schon gut... Trotzdem, wenn mein Vermieter dich sieht, sind wir beide erledigt, also besser, du benimmst dich.“

Brotbein und Brötchenfuß sprangen auf das Bett und machten es sich dort gemütlich. Lina schüttelte leicht den Kopf und wandte ihre Aufmerksamkeit wieder dem Computerbildschirm zu. Seltsam, dass sie drei Semester auf der OFUM durchgestanden hatte, um eine Lizenz zu bekommen, die sie jetzt nie mehr benutzen würde. Was für Geschichten hatte sie schließlich zu erzählen, die einem solchen Ort gerecht werden konnten?

Wieder schaute sie auf den Bildschirm. Sehr langsam breitete sich ein Lächeln über ihrem Gesicht aus.

******

Wie bei allen Geschichten brauchte es Zeit, sie niederzuschreiben. Manchmal dachte sie, sie würde nie fertig werden, aber eines Abends gab es nichts mehr zu tippen als „ENDE“. Und sie stellte fest, dass sie das nicht wollte.

„Nette Geschichte.“

„Miss Cam!“ rief Lina und schaute sich in dem nur halb erleuchteten Zimmer um.

„Obwohl Sie ein paar Probleme mit der Grammatik haben –und Ihr Rechtschreib-Programm hatte wohl Schluckauf...“

„Zehchen ist vorbeigekommen.“

„Aha.“ bemerkte Miss Cam und trat aus den Schatten „Haben Sie gepackt?“

„Habe ich was?“

„Gepackt. Sie sind mein neuer Schriftverkehr-Sklave.“

„Seit wann?“

„Seit Gimli mich den fünfzehnten Morgen hintereinander mit seinem grässlichen Genörgel geweckt hat. Ich wollte Sie nicht vor dem neuen Semester abholen, aber ich halte es nicht mehr aus. Ehrlich – dachten Sie, ich lasse Sie frei in der Lehrkörper-Abteilung herumlaufen, wenn ich nicht den Plan gehabt hätte, Sie anzustellen? Oder dass ich Sie mit einem Lehrer schlafen lasse, wenn Sie nicht schon auf meiner Mitarbeiter-Liste stehen?“

Miss Cam kicherte.

„Sie wissen, wie Fanmädchen denken, weil Sie selbst eins waren, Sie haben bewiesen, dass Sie querdenken können, Sie haben Ent-Weitwurf, zusammenbrechende Mauern und den Sturz von einem Drachen überlebt... Überaus eindrucksvoll.“

„Ich... ähm... schon recht.“ murmelte Lina, während die Verwirrung anfing, der Freude Platz zu machen. Gimli! Sie schnappte sich Brotbein und Brötchenfuß und packte eilig eine Tasche.

„Haben Sie alles?“

„Ja. Ich...“ Lina hielt inne und schaute auf den Computerbildschirm, wo ihre Erzählung von der OFUM bis auf ein kleines Wort beendet war. Mit einem seltsamen Gefühl und Freude und Trauer gleichzeitig beugte sie sich vor und tippte es.

Eine Geschichte endet, eine andere beginnt.

„Ich bin fertig.“ sagte sie.

„Gut. Ich hoffe, Sie haben feuersichere Sachen dabei. Sauron hat sein Plüschtier verloren und sucht danach, indem er alle Orte niederbrennt, wo es sich verstecken könnte.“

Während sich das Portal öffnete, blinkte ein Wort langsam auf dem Computerbildschirm.

„ENDE“


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