Die Offizielle Fanfiction-Universität von Mittelerde (OFUM)
von Camilla Sandman, übersetzt von Cúthalion

Kapitel 60
Von bösen Plänen und bösen Nachbarn

Eine Atmosphäre geschäftiger Vorbereitung und angestrengten Lernens legte sich über die OFUM, als die Examen und der Anschluss näher kamen. Die Lehrer waren überarbeitet, die Studenten versuchten, den Lesestoff eines ganzen Semesters in eine Woche zu quetschen und die Mini-Balrogs waren in... na schön, „Hitze“ war ein ebenso gutes Wort wie jedes andere. Lina hatte böses Liebeswerben noch nie in einem solchen GAusmaß beobachten können – es war sehr... erhellend.

Elrond ließ sich kaum noch blicken; er hatte mit seinen eigenen Projekten genug zu tun. Meir Brin konnte oft dabei beobachtet werden, wie sie eigenartige Einkäufe aus Minas Tirith heranschleppte, und manchmal sah sie Sorne und Rose, ausgerechnet mit Fröschen. Lina war sich nicht sicher, was der Herr von Bruchtal wohl damit wollte. Aber sie hatte ihn dabei ertappt, wie er Legolas und Galadriel davon zu überzeugen versuchte, dass schwarzes Leder genau das Richtige für sie sei...

Was Gimli anging.... sie sprachen wenig über die Zukunft, aber eine Menge über alberne Dinge, die in keiner Weise mit Gefühlen zu tun hatten. Früher oder später würden sie über ihren drohenden Abschluss reden müssen, aber ein kleiner Teil von ihrem Gehirn flüsterte: „Nicht heute.“

Aber was Lina wirklich Sorgen machte - während sie in Wirklichkeit hätte nachlesen sollen, warum „Dein Haar ist wirklich voll fett krass!“ niemals in Mittelerde ausgesprochen werden würde - war der Zustand von Miss Cam.

Miss Cam erschien dieser Tage irgendwie... weniger zu sein. Am Frühstückstisch sah sie aus wie der wandelnde Tod (und zwar nicht auf die normale „Sie werden sich wünschen, tot zu sein, wenn ich mit Ihnen fertig bin“-Weise). Sie hatte Belphegor dabei erwischt, wie sie „Bücher sind besser!“ an die Toilettenwand sprühte und hatte sie nicht einmal bestraft.

Miss Cam ließ sich nie eine Chance entgehen, böse zu sein. Nichtsdestoweniger hatte sie Danly mit dem Diebstahl von Glorfindels Haarbürste davonkommen lassen und Spoogle damit, dass sie versucht hatte, Pippin zu hobbit-nappen (und seine Pilze gleich mit). Es war beinahe so, als sei sie nett geworden.

Und wenn das kein Zeichen war, dass irgend etwas nicht stimmte, was dann? Deshalb war Lina an diesem Morgen nicht überrascht, als sie auf dem Weg in die Bibliothek von Jason und Al’s Waiter aufgehalten wurde (der meist AW genannt wurde, oder: „Hä?? Ein blauer Elb? Haben ein Elb und ein Schlumpf sich zusammengetan und du bist dabei herausgekommen?“) Beide Jungs waren hinter der Kurs-Koordinatorin her – vielleicht war es das Böse, das sie scharfmachte. Das würde in jedem Fall Morgoths Anbeter erklären (er hatte immer noch mehr davon als Sauron).

„Ah... Lina.“ sagte AW lächelnd. „Wir haben nach dir gesucht. Wir haben... einen Vorschlag.“

„Wir machen uns Sorgen um Miss Cam.“ fuhr Jason fort. „Wir haben gehört, dass gewisse Studenten einen gerissenen Plan ausbrüten. Einen Plan, Miss Cam zu schwächen, damit sie ihre Lustobjekte leicht kidnappen können. Da das Ende ihres Aufenthaltes hier sich nähert, sind sie übereingekommen... drastische Methoden einzusetzen.“

„Scheinbar haben Ardaiel und Sierra einen Kontakt. Drinnen. Wir dachten, du könntest herausfinden, wer das ist.“ sagte AW schnell, bevor Lina ihn unterbrechen konnte. „Miss Cam so zu sehen, ist... es ist falsch. Also, wenn du uns hilfst, dann haben wir etwas für dich.“

„Was?“

Jason hüstelte diskret, dann beugte er sich vor und flüsterte etwas in Linas Ohr.

„Oh.“ war alles, was sie sagte. Sie dachte einen Moment nach, dann endlich nickte sie knapp. Die beiden Jungs machten sich davon und sie betrat die Bibliothek. Sie war beinahe leer, abgesehen von Celandine und Raven Wings, die über dem letzten Westron-Wörterbuch einen Kleinkrieg vom Zaun brachen, und einer kleinen Gruppe, die sich in einer Ecke zusammendrängte – ohne zu lesen.

Oh sicher, sie hatten Bücher dabei, aber ihre Augen glänzten zu sehr. Lina war sicher, dass sie sich Bilder ihrer Lustobjekte anschauten. Einige davon waren hereingeschmuggelt worden und Schlangenzunge hatte einen sehr profitablen Handel damit angefangen.

Die Gruppe in der Ecke bestand aus Ardaiel und Sierra, aus Nicole, Aniron, Lucy und Autumn. Lina kniff die Augen zusammen, als sie an ihnen vorbeiging, und dachte nach. Ränke schmiedende Studenten waren nichts Neues, aber wenn sie sich Miss Cam zur Zielscheibe nahmen, dann waren sie verzweifelt. Die schwarze Peitsche würde furchtbar sein.

Es war schwer, mit diesem neuen Geheimnis im Kopf zu lesen, sogar noch schwerer, als Danielle und Silya anfingen, die mögliche Identität von Figwit zu diskutieren und die Legolas-Lüstlinge sich darüber ausließen, wie „heiß“ Legolas sei. Normalerweise wäre Miss Cam binnen Minuten da gewesen und hätte tödliche Blicke abgeschossen. Aber nichts passierte.

Mit Miss Thundera Tiger und Miss Dwimordene, die beide bis zum Hals in den Vorbereitungen für die Abschlusszeremonie und die dazugehörigen Feierlichkeiten steckten, stand die Universität am Rande des Chaos. Das war nicht gut. Der arme Legolas konnte unter die Räder geraten und die Lehrer zu Tode geliebt werden.

Entschlossen machte sich Lina auf den Weg in die Lehrkörper-Abteilung. Es war still; die meisten Lehrer waren unterwegs, nur Faramir und Éowyn spielten Verstecken. Wenn man gefunden wurde, war der Preis ein Kuss, und natürlich wollten alle beide gefunden werden... Lina schmunzelte, als sie an ihnen vorbeiging.

Miss Cam war in ihrem Zimmer. Lina klopfte behutsam an die Stahloberfläche der Tür (überwiegend feuersicher, denn Miss Cam’s Zimmer lag gegenüber dem von Sauron). Es kam keine Antwort, und Lina öffnete sehr zögerlich die Tür. Sie war nie hier drinnen gewesen, und irgendwie fühlte sie sich, als würde sie in eine Drachenhöhle hineinstolpern. Nur, dass Drachen einen schnell umbrachten.

Derr Raum war dunkel. Es gab keine Fenster und das Kaminfeuer war fast erloschen. Lina war sich nicht ganz sicher, was sie erwartet hatte, aber tatsächlich war es ein angenehmes Zimmer. Hohe Bücherschränke, ein Schreibtisch, ein Kleiderschrank (die Tür stand einen Spalt offen und zeigte schwarzes Leder und – eigenartig genug – ein Ewok-Kostüm), und natürlich die Hängematte. Miss Cam liebte Hängematten und gerade jetzt schlief sie in einer.

Sie sah wirklich nicht gut aus.

„Miss Cam?“ fragte Lina zögernd.

Miss Cam schoss in die Höhe; sie sah verstört und atemlos aus. „Herr Elrond? Ist es schon Mitternacht und Zeit für den Unterricht...?!?“

Ihr Blick fiel auf Lina. „Oh. Sie.“

„Ähm... ich... äh... sind Sie in Ordnung?“

„Ich bin müde.“ Miss Cam schloss die Augen. „Dieser verfluchte Nachbar neben mir arbeitet immer in der Frühe und klopft gegen seine Wände, und nachts bin ich in den Kerkern, und beim Mittagessen sind es die Besprechungen mit dem Schulleiter, und Mini-Balrog-Berichte und Abendessen, und dann hat Aragorn die eine oder andere Lehrer-Angelegenheit, und irgendein Student versucht, sich hereinzuschleichen, und dann muss das Examen geplant werden, und der ,Natürlich Neun’-Rat und...“

Sie verlor den Faden und blinzelte. „Ich will bloß schlafen und wir können uns nicht daran erinnern, wo der Raumplan ist, und wer der Böse Nachbar ist, der da lebt. Ich bin müde. So, so müde.“

Und damit lehnte sie sich zurück und war bald fest eingeschlafen. Lina ging auf Zehenspitzen hinaus und schloss die Tür leise hinter sich. So. War es vielleicht der Böse Nachbar?

War das Golums Zimmer? Nein, Gollum war viel zu sehr mit einem Zisch-Wettbewerb mit Lurbl beschäftigt (eine Gollum-ähnliche Studentin. Ihre Zimmergenossin Tamsin beklagte sich allerdings, es sei unmöglich, zu schlafen, wenn Lurbl mit sich selbst darüber stritt, ob es besser sei, auf dem Rücken oder auf der Seite zu liegen).

Die Tür zum ,Bösen Nachbarn’ war fest verschlossen. Aber es war eine Tür aus Stein und Lina kannte sich mit Steinen aus. Es war schwer, Gimli’s Freundin zu sein und sich nicht damit auszukennen. Sie hatte noch immer ihren Spezialmeißel von ihrer Höhlenexpedition, und bald hatte sie dicht neben dem Schloß ein Loch bewerkstelligt. Ein kleiner Griff hindurch und voilà – die Tür ging knarrend auf.

Und die Person, die sie dort sah, hatte sie ganz sicher nicht erwartet. Der Böse Nachbar war... Lotho?


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