Die Offizielle Fanfiction-Universität von Mittelerde (OFUM)
von Camilla Sandman, übersetzt von Cúthalion

Kapitel 49
Himmel, was für eine geistige Vorstellung!

Allzu früh waren die Ferien zu Ende, und das neue Semester fing an.

Es sei denn, natürlich, man mag den Unterricht. Dann würde man Freudensprünge machen, dass das 3. Semester auf der OFUM angefangen hat. Aber selbst der hingebungsvollste Student wäre vermutlich mit dem ersten Fach dieses Semesters nicht glücklich gewesen. Oder, genauer gesagt, mit dem Lehrer.

„SIE schon wieder?“ stöhnte die gesamte Klasse, als der Lehrer für „Ach, kein ,Kumpel’ hier: Sprachen in Mittelerde“ den Hörsaal betrat. Selbst Celebrían und Arien schauten wachsam drein.

„Ja, wieder einmal sollen Sie alle das Vergnügen mit mir als Lehrer haben.“ versicherte Elrond. „Ich bin sicher, Sie sind allesamt so aufgeregt wie ich.“

„Ich bin froh!“ protestierte Sorne.

„Ich nicht.“ gab Elrond zurück.„Nun... das Fach beschäftigt sich mit den Sprachen von Mittelerde. Wir werden kurz die vielen gesprochenen Sprachen streifen, genauso wie die Dinge, die wir nicht sagen. Ich meine Ihren modernen Slang, meine Studenten. Wenn jemand solche Worte in dieser Klasse ausspricht, werden Celedrian und Elond entzückt sein, demjenigen beizubringen, wie man anständig auf Mittererde-Art schreit.“

Die Klasse stöhnte.

„Das erklärt die lange Buchliste.“ murmelte Lillian. „Ich dachte schon, ich hätte versehentlich die Aufstellung gekriegt, welche Bücher in der Bibliothek neu zur Verfügung stehen.“

„Nein, die ist kürzer.“ antwortete Himlaithiel.

Lina lächelte bloß. Elrond hatte sie gestern um Rat gefragt, was er anziehen sollte („Purpur oder Gelb? Was sieht am furchterregendsten aus?“), also hatte sie eine deutliche Ahnung gehabt, dass er der Lehrer sein würde.

„Wir werden mit der Sprache der Menschen anfangen.“ fuhr Elrond fort (und er hatte sich für Purpur entschieden).

„Oh, Englisch?“ sagte ein Student, der die Kardinalsregel in Elronds Unterricht vergaß: „Nie mit irgendetwas in Elronds Klasse herausplatzen, sonst kriegst du es zurück.“

„Nein.“ sagte Elrond durch zusammengebissene Zähne und bedachte den Studenten mit elbischem Todes-Starren. „Nicht Englisch. Niemand in Mittelerde spricht Englisch. Die Sprache wird Westron genannt, oder Gemeinsame Sprache.“

„Wie kommt es dann, dass wir Sie verstehen?“ fragte Paul (er war der einzige Student, der Zehchen mochte; er katte sogar mit dem „Streut scheußliche Schreibfehler“-Kult angefangen, der sehr gut zu laufen schien).

„Wie kommt es, dass Sauron hier ist, und dass Frodo den Ring noch hat? Wie kommt es, dass Boromir immer noch lebt? Wie kommt es, dass ich Sie alle noch nicht als Orkfutter vor die Tür geschickt habe?“ sagte Elrond grimmig. „Alles triftige Fragen, auf die Sie nie eine Antwort bekommen werden, denn das ist ,nicht Ihre Angelegenheit’. Sehen Sie, ich kann Ihre Art zu sprechen durchaus meistern. Dann sollten Sie auch imstande sein, mit der Phrasierung von Mittelerde klarzukommen.“

„Mach ich mir keine Sorgen drüber.“ sagte Jo vertrauensvoll mit ihrem australischen Akzent.

Elrond stöhnte.

„Ich sehe schon, es wird Zeit brauchen. Aber keine Angst – ich habe sehr viel Zeit.“ Elrond lächelte. „Sie hingegen haben keine.Bis nächste Woche einen Tausend-Worte-Aufsatz in Westron über die Konsequenzen des Gebrauchs der englischen Sprache in Mittelerde. ,Legolas herumkriegen’ ist keine akzeptable Schlussfolgerung.“

„Bockmist.“ murmelte Aralome.

„So, lassen Sie uns ,Wecken Sie das Westron in sich’ aufschlagen, das Kapitel über ,Ach’ ist ein Gewinn’. Lesen Sie es, und wir werden darüber sprechen, wenn Sie fertig sind.“

Die Klasse begann mit der schweren Aufgabe, die Bücher auf die Tische zu wuchten, ohne zu fluchen (was sicher eine andere Lektion von Elrond zur Folge gehabt hätte, woraufhin die Hobbits, bis die Klasse entlassen wurde, das ganz Mittagessen verspeist hätten). Lina schaffte es beim zweiten Versuch; das ganze Training mit der Axt fing an, sich auszuzahlen.

Sie lächelte. Die Ferien waren ganz sicher interessant gewesen. Vor allem das... äh... Theaterstück, dass die Valor aufgeführt hatten. Miss Cam hatte ihnen wahrscheinlich die Erlaubnis dazu gegeben, damit sie etwas zu tun hatten. Das Stück war ziemlich...

... interessant gewesen. Es war eine Wieder-.Aufführung der Dagor Dagorath (das Ende der Welt, bloß, dass man das erst herausfand, als sie anfingen, herumzurennen und jedermann anzugreifen. So war es scheinbar eine ziemlich akkurate Darstellung, schließlich hatten einige der Studenten nicht gewusst, was es bedeutete, und komplett mit Beteiligung des Publikums). Trotz einger leichterer Verletzungen war es ein rauschender Erfolg gewsenen, Nun waren die Valor damit auf Tournee gegangen,und jedermann seufzte vor Erleichterung.

Im Moment musste man nur mit den „normalen“ Mini-Balrogs klarkommen. Nicht, dass das nicht genug Ärger bedeutet hätte. Es gab jetzt sogar einen Baumbrot, der zu so einer Art Onkel für Brotbein geworden war, wahrscheinlich, weil er sich ihr durch die Namensähnlichkeit verbunden fühlte.

Lina hoffte nur, sie würde einen der Mini-Balrogs aus Aufseher bekommen, die durch Gimli entstanden waren (und nicht „Golem“), es sei denn, es gelang ihr...

In Ordnung, es war besser sich auf die Anwendungsmöglichkeiten von „Ach“ zu konzentrieren, als sich närrischen Hoffnungen hinzugeben.

„He, ich hab dir was aus Minas Tirith mitgebracht,“ flüsterte Dot. „Du hättest mitkommen sollen. Es war eine wunderbare Woche, selbst als Rain Rosie entdeckt und versucht hat, sie in ein Fußhaarpflege-Center für Hobbit zu locken und die Nuzgul zur Rettung herbeigeeilt kamen. Dafür, dass sie Karnickel sind, können sie ganz schön austeilen.“

„Ich hatte Spaß hier, während ihr alle wegwart.“ flüsterte Lina zurück.„Oh... und ich habe herausgefunden, wo Éomer die ganze Zeit gewesen ist.“

„Oh, wo denn?“ fragte Curedhel aufgeregt.

„In Therapie. Seht ihr, als sie das hier angefangen haben, hat die OFUM-Leitung möglichen Lehrern ein paar Geschichten zugeschickt, um zu zeigen, warum diese Universität gebraucht wird und um sie dazu zu überreden, mitzumachen. Und traurigerweise gab es ein winzig kleines Durcheinander in der Versandabteilung. Sie haben Éomer eine ...ähm... anders zusammengesetzte Slash-Story geschickt als die eigentlich geplante Éomer/Legolas-Geschichte.“

„Welche Paarung?“

Lina schauderte. „Das wollt ihr wirklich nicht wissen.“

„Aber sicher wollen wir! Wie schlimm kann es schon sein?“

„Eine Britney-Spears-Song-Fic mit Aragorn und Sauron, total ineinander verknallt.“

Es folgte ein langes, fassungsloses Schweigen. Elrond war zu sehr damit beschäftigt eine kaugummikauende Studentin mit elbischem Todes-Starren zu bedenken und gleichzeitig ihre Haare in Kaugummi zu verwandeln, um das Gespräch zu beachten.

„Also hat er sich in der Therapie erholt...“ murmelte Curedhel. „Armer, armer Éomer. Ich sollte ihn trösten... nach einer Gehirnwäsche, um dieses Bild wegzuschrubben.“

„Ich mach mit.“ murmelte Dot elend. „Ach, was für eine geistige Vorstellung!“

„Welche geistige Vorstellung?“ fragte Cenire. Und so verbreitete sich das Entsetzen. Ganz nutzlos war es allerdings nicht – denn wenn einem das nicht beibrachte, wann ein „Ach...!“ abgebracht war, dann auch nichts anderes.


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