Die Offizielle Fanfiction-Universität von Mittelerde (OFUM)
von Camilla Sandman, übersetzt von Cúthalion

Kapitel 42
Du siehst mich - du siehst mich nicht

Die zirpenden Grillen draußen waren die einzigen, die sich an diesem Morgen fröhlich anhörten.

„Letzte Woche haben wir uns den Austausch von Kriegs-Erfahrungen am Lagerfeuer angesehen, sowie ihre Auswirkungen auf Männerfreundschaften.“ sagte Legolas gerade. Seine Stimme schien von irgendwo nahe der ersten Reihe zu kommen, wo ein paar Mädchen immer wieder einmal versuchten, die Hand auszustrecken. Allerdings bekamen sie nie mehr als leere Luft zu fassen – Elben sind schnell, falls denn Legolas tatsächlich in der Nähe gewesen war. Es war schwer zu sagen.

Ein paar Unglückliche brachten es sogar fertig, aus Versehen Wringgeister zu pieksen – und Wringgeister mögen es nicht, gepiekst zu werden. Es irritiert sie.

„Das ist nicht fair!“ beklagte sich Linteloteiel leise. „ich habe ein ganzes Semester auf Legolas’ Fach gewartet, und jetzt ist er dabei unsichtbar!“

„Man könnte meinen, das war eine Verschwörung!“ erwiderte Kelly.

Die Grillen zirpten., Es klang eigenartig nach „Gewisssss, gewisssss!“

Lina entschied sich weise, nicht zu antworten. Nebenbei schmerzte ihr Kopf sowieso viel zu sehr, um über solch schwierige Dinge nachzudenken. „Notiz an mich: Sollte ich jemals zu einer Zwergen-Familienzusammenführung eingeladen werden, einen Helm mitbringen!“ dachte sie unglückselig.

„Wer kann mir sagen, was daran so wichtig war?“ fuhr Legolas fort.

„Ähhhm... es bringt die Zeit herum?“ schlug ein Mädchen vor.

„Es bildet eine Grundlage.“ antwortete Lina und warf Gimli einen Blick zu. Er schenkte ihr ein warmes Lächeln, das beinahe ausreichte, um ihren Kopfschmerz zu vertreiben. Beinahe.

„Ich danke Ihnen, Miss Holling. Das ist korrekt. Freundschaften entwickeln sich nicht an einem Tag, obwohl ich einige von Ihnen das habe sagen hören. Freundschaft ist wie irgendeine andere Beziehung, sie braucht Zeit.“

„Also dauert es zwei Tage? Ich will keine zwei Tage warten, um einen Elb zu bezirzen!“ bemerkte eine der Legolas-Lüstlinge (Lina war sicher, dass sie ihren Namen hätte kennen sollen, aber sie war ebenfalls sicher, dass sie wissen sollte, dass man die Klinke herunterdrücken muss, um eine Tür zu öffnen. Mensch, ihr Kopf tat weh. Zwergen-Kopfnüsse – gar nicht gut..)

„Und du hast dich gewundert, wieso Frodo und Sam heute Morgen so nett zu dir waren.“ meinte Gimli. „Die wissen, wie unmöglich ist, dieses Fach zu unterrichten.“

„Du bist keine große Hilfe, Gimli.“

Der Zwerg schnaubte. „Dann will ich mal. Es ist einfach: Wir sind männlich, wir schließen einen Bund. Wir sprechen über den Krieg und vergleichen unsere Waffen. Manchmal rauchen wir, manchmal nehmen wir eine Halbe. Wir reden über die Sterne, über die beste Art einen Ork umzubringen und manchmal erzählen wir Geschichten - vor allem, wenn ein Elb in der Nähe ist.“ murmelte er mit etwas leiserer Stimme. „Wir schließen allerdings keinen Bund wegen der Wundersamkeit irgendeines plötzlich aufgetauchten Weibsstücks. Und wir ermutigen Legolas nicht, eine Frau zu nehmen.“

„Aber er sollte eine haben!“ rief Mytsie aus.

„Das hier heißt ,MännerBünde’, nicht ,Singles-Konferenz’.“ fuhr Gimli fort.

„Die Singles-Konferenz findet nächste Woche in Minas Tirith statt.“ Ragna der Urpurne steckte seinen Kopf herein. „Ihr seid beide willkommen, Gimli und Legolas - und für eine kleine Gebühr könnt Ihr dem JahrtausendPartner-Programm beitreten – wir finden Euch innerhalb eines Jahrtausends einen Partner, oder Ihr bekommt garantiert Euer Geld zurück.“

„Das ist es, was passiert, wenn ein Mann niemandem zum Verbünden hat.“ bemerkte Legolas, als das blendend urpurne Licht verschwunden war und jedermann mehr oder weniger wieder sehen konnte. „Er wird verrückt. Für nächste Woche lesen Sie bitte: ,Ein Schlag auf den Rücken – männliche Anziehung oder nur Angewohnheit?’. Die Klasse ist entlassen.“

Ein paar Mädchen machten einen Ausfall in Richtung Lehrerpult, aber alles, was sie zustande brachten, war, die Wringgeister noch mehr zu irritieren. Bald war das ,Wringgeister-Würgen und Happy-Hour-Heulen’ (wie eine Happy Hour, nur ohne das Besäufnis und mit mehr Geschrei) wieder in vollem Gange, bis endlich alle Mädchen es gschafft hatten, den Hörsaal zu verlassen.

Gimli holte Lina ein, als sich die Korridore leerten und gab ihr einen zarten Klaps auf den Kopf. „Mein Vater hält sich an die Tradition. Es tut mir leid – ich hätte dich warnen sollen.“

„Ich glaube, tatsächlich war es wohl eher mehr die Gemeinschafts-Erkennungsmelodie.“ erwiderte sie, während sie langsam zur Lehrkörper-Abteilung hinübergingen. „Und ich weiß es zu schätzen, dass er mich einer Kopfnuss für würdig befunden hat.“

Sie wurden von hohen Stimmen empfangen, und Mini-Balrogs kämpften um den besten Aussichtspunkt am Tor, um hineinzuschauen. Mitten in der Halle stand Sauron und ragte wie ein Turm vor derm unbeeindruckten Elrond auf.

„Ich protestiere!“ sagte Sauron gerade. „Das Böse ist meine Domäne! Und doch fürchten die Studenten dich mehr! Dies muss auf der Stelle korrigiert werden!“

„Furcht und Bosheit sind nicht dasselbe, Sauron.“ erwiderte Elrond gelassen. „Wir auf der guten Seite sind auch gefährlich. Wir haben gewonnen, erinnerst du dich?“

Saurons Augen wurden schmal. Sam stand auf und stellte sich schützend vor Frodo.

„Das bedeutet nichts! Jetzt habe ich den Ring! Ich habe ihn, endlich!“ Triumphierend hielt der Dunkle Herrscher die Hand hoch, und etwas leuchtete hell darin.

Es folgte eine kurze Stille.

„Das ist ein ,Für-immer-Freundschafts’-Ring“ sagte Elrond grinsend.

„Aber der unsichtbare Geist hat gesagt...“

Das klare Gelächter von Legolas hallte im Raum wider.

„Hobbit-Tücke... die färbt einfach ab.“ flüsterte Gimli, als Sauron sich umdrehte und davonstakste.

„Meeeiiiiister!“ jammerte der Ring. „Komm zurüüüück! Es kann dir gelingen, mich in Besitz zu nehmen! Ich weiß, du kannst es! Oh... mache ich Witze? Er ist alt, und ich muss weiterziehen. Sag mal Frodo, hast du jemals Lust gehabt, einen Dunklen Turm zu bauen...?“

„Halt’s Maul!“ sagte Frodo gutgelaunt und ließ sich am Tisch nieder. Er war fertig für das zweite Frühstück gedeckt, allerdings waren die Pilze bereits verschwunden. Pippin und Merry kauten verzweifelt.

„Wieder sichtbar?“ fragte Lina. Sie setzt sich ebenfalls, nahm die kühle Wasserflasche und hielt sie gegen ihren Kopf.

„Sie hatten eine kleinere Dosis als ich.“ erwiderte Legolas, der klang, als würde auch er gerade Platz nehmen. „Gandalf meint, noch ein Tag, vielleicht zwei.“

„Ich höre, ein paar Mädchen sind in den Hungerstreik getreten, bis du wieder sichtbar bist.“ meinte Lina. „Sie sagen, es sei ein Verbrechen gegen die Natur, dass man dich nicht sehen kann.“

„Also mehr Essen für uns.“ grinste Pippin und zuckte zusammen, als eine Fliege vorübersummte.

„Shadow hat sie dabei erwischt, wie sie heute morgen versucht haben, die Nuzguls in ihrem Zimmer freizulassen.“ erklärte Frodo und biss in einen Toast.

„Verschehen!“ protestierte Merry, den Mund voller Essen. „War dunkel. Hab ,Dunkel“ geleschen, wie ,Dunkler Herrscher’, gansch ähnlich.“

„Nur, dass du bei den Dunklen Herrschern immer darauf rechnen kannst, dass sie sich gegenseitig ablenken.“ entgegnete Frodo.

„Was meinst du damit - ich habe den Elb darauf gebracht?“ kam Morgoths deutliche Stimme aus dem Garten. „Ich denke, daran würde ich mich erinnern!“

„Du bist doch so senil, dass du es wahrscheinlich vergisst! “ schoss Sauron zurück.

Jawohl – manche Dinge bleiben immer gleich: Die Sonne wird aufgehen, Mini-Balrogs werden sich vermehren wie die Karnickel und Dunkle Herrscher kämpfen.


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