Die Offizielle Fanfiction-Universität von Mittelerde (OFUM)
von Camilla Sandman, übersetzt von Cúthalion

Kapitel 35
„Forrest Gandalf"

Lina war nicht ganz sicher, was sie aufgeweckt hatte. Vielleicht war es Gimlis sanftes Schnarchen, aber es konnte genauso gut das laute Gelächter gewesen sein, das irgendwo aus der Halle kam, oder wenigstens irgendwoher aus der Lehrkörper-Abteilung.

Es klang, als würden Orks und Hobbits gemeinsam lachen. Normalerweise jammerten Orks, wenn Hobbits lachten, und wenn Orks lachten, dann jammerten die Hobbits. Das war äußerst merkwürdig. Lina entwirrte ihre Arme und Beine, schnappte sich ein T-Shirt und zog es an. Sie öffnete die Tür einen Spalt breit und spähte hinaus.

Die Halle schien still zu sein; sie war von silbernem Mondlicht erfüllt, das in ihr das seltsame Gefühl auslöste, in einem Traum zu sein. Die Wände waren von kleinen Höhlen durchzogen, in denen die Mini-Balrogs schliefen – wenigstens die, die keine Nachtschicht hatten.

Es gab wirklich eine Menge Mini-Balrogs, wenn man darüber nachdachte. Es hatte mit ein paar wenigen angefangen, und nun schien es eine kleine Armee zu sein. Nicht, dass die Mini-Balrogs nicht genug zu tun gehabt hätten... es waren fünf von ihnen nötig gewesen, um LangunterdemBaum von den Ents wegzubringen, der überzeugt war, er müsse mit diesem Namen doch ganz gewiss eine Entfrau sein.

Dann war natürlich Mulberry vorbei gekommen und hatte behauptet, in einem früheren Leben eine Entfrau gewesen zu sein, und... Junge, Junge. Aber die Mini-Balrogs hatten endlich alles auf die Reihe gebracht, und zwar mit der Androhung, dass die Übeltäter zum neuen Leiter der Arschtritt-und-grausame-Bestrafungen-Abteilung geschickt würden („Das hätte mir schon vor Zeitaltern einfallen sollen.“ hatte sich Miss Cam eines Abends beschwert. „Es wirkt wie ein Zauberspruch!“)

Gimly drehte sich um und sah sie an; der Mini-Balrog lächelte auf eine sehr selbstzufriedene, zwergenhafte Weise. Lina wir sich sicher, dass er, wenn er hätte sprechen können, wohl so etwas gesagt hätte wie: „Ich hoffe, es gibt irgendwann so einen Mini-Balrog wie dich!“

Die Mini-Balrogs hatten richtig Persönlichkeit... obwohl der arme Gindadial nicht ganz sicher war, welche Figur er hätte sein sollen, weshalb er unter einer Identitätskrise litt. Komisch, wie still es heute Abend war. Kein Schnarchen, kein Schlafwandeln, keine Morgoth/Sauron-Kissenschlacht. Selbst auf Zehchens und Brotbeins Liebesregal schien es ruhig zu sein (was daran liegen mochte, dass Zehchen sich auf einem seiner „Kreuzzüge des Bösen: Wenn die schlechte Rechtschreibung angreift“ befand. Er konnte dem Ruf nie widerstehen, so sehr die Welt sich das auch wünschen mochte).

„Lina?“ fragte Gimli leise und trat hinter sie.

„Ich dachte bloß, ich hätte Gelächter gehört.“ antwortete sie.

„Heute ist Kino-Abend.“

„Heute ist was?“

„Kino-Abend. Das soll uns helfen, Eure Welt zu enträtseln und besser zu verstehen. Gandalf hilft Miss Cam dabei, eure Art von Filmen mit Figuren aus unserer Welt neu zu besetzen, alles mit Zauberei. Letzte Woche war es ,Auenland-Frodo und der letzte Kreuzzug’. Das war äußerst amüsant. Und wer könnte je ,X-Maias’ vergessen? Eine Weile hatten wir sogar eine Karaoke-Nacht, aber Sauron und Morgoth haben die Karaoke-Maschine zertrümmert, um herauszufinden, wer besser ,Böse Zeiten, noch bösere Zeiten’ singen kann. Du hast Glück, die Hexenmauer wollte dich mit ,Du siehst mich einfach nicht’ überraschen. Ich denke, er und ich, wir müssen uns mal unterhalten.“

Lina blinzelte, dann wurde ihr klar, dass Karaoke- und Kino-Abende auch nicht seltsamer waren als ein Mini-Balrog namens Gimly. Hier gab es einfach lauter Seltsamkeiten, genauso wie Wasser und Erde. „Mach dir keine Sorgen über die Hexenmauer. Mit der werde ich schon fertig. Können wir gehen und uns den Film anschauen?“

„Aber sicher. Obwohl... erinnere dich bitte daran, aus offiziellen Gründen bist du hier als Ratgeber zum Thema ,MännerFrauenBünde und wie man das Fach MännerBünde verbessert’. Die Universität kann es nicht so aussehen lassen, als würde sie Studenten-Lehrer-Beziehungen fördern.“

„Aber wieso hat denn niemand irgend etwas gesagt?“ fragte Lina, die befürchtete, dass sie wieder einmal mit dem Kopf voran in den Schwierigkeiten gelandet war.

„Sie... ähm... waren einfach zu überrascht... dass ich dich für mich gewonnen habe, als dass es ihnen etwas... ähm... ausmacht.“

Lina gluckste leise in sich hinein, als Gimli sie durch eine Tür führte, die interessanterweise mit „Folterkammer (Luxusversion)“ beschriftet war.

„Was gibt es heute?“

„Ich glaube, es ist ,Sauron Powers: Maia in geheimer Missionarsstellung’. Morgoth hat widersprochen und wollte, dass sie ,E-Morgoth für dich’ bringen, aber das kommt nächste Woche. Lina, ich... ähm... ich wollte dich schon länger fragen...“ Gimli druckste sichtlich herum. „Zurück in deiner Welt... da gibt es niemanden, den ich zu einem Axtduell herausfordern muss, oder?“

„Nein, nein. Niemand dergleichen.“

Gimli schaute erleichtert drein, während sie den großen Raum betraten, der zur Gänze mit dem gesamten Lehrkörper gefüllt war, Sauron saß in der ersten Reihe und schaute so stolz drein, wie ein... Dunkler Herrscher nur dreinschauen konnte. Die Nazgûl sangen Jubelchöre („Sssssauron, Sssssauron, er isssst unsssser Mann, kann allessss bessssser, alssss Morgoth essss kann!“), während Morgoth in einer Ecke schmollte. Barlog, der Balrog, klopfte ihm mitfühlend auf die Schulter (sein Arm war das einzige von ihm, das in den Raum passte. Er stand draußen und schaute durch das Dachfenster zu).

„Wenn du möchtest, können wir uns das romantische ,Schlaflos in der Lehrkörper-Abteilung’ anschauen.“ flüsterte ihr Gimli ins Ohr. „Und hinterher könnten wir selbst... schlaflos sein.“

„Gimli!“ murmelte sie verlegen; sie war sicher, dass jemand das Glimmen in seinen Augen bemerken würde.

So wie es aussah, waren die Leute allerdings viel zu beschäftigt, um viel von irgendetwas zu bemerken. Galadriel und Celeborn kuschelten sich immer dichter aneinander, und Faramir und Éowyn ernteten saure Blicke von Boromir. Selbst die beiden Mini-Balrogs, die Wachdienst hatten, hielten Händchen/Klauen/Was-auch-immer (aber keine Tentakeln. Eine Studentin hatte närrischerweise behauptet, Balrogs hätten Tentakeln, und es hatte eine Stunde gedauert, um sie wieder aus dem Mini-Abgrund herauszuholen).

Und Gandalf – Gandalf lachte so laut, dass es unmöglich war, nicht mit einzustimmen.

„Wie gut ein Film ist, kannst du immer daran erkennen, wie laut Gandalf lacht.“ flüsterte Gimli. „Deswegen ist ,Forrest Gandalf’ auch so ein Spitzen-Streifen.“


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