Die Offizielle Fanfiction-Universität von Mittelerde (OFUM)
von Camilla Sandman, übersetzt von Cúthalion

Kapitel 30
Der Zustand des Bösen

Es gibt zwei Worte, die jeder Universitäts-Student kennt und fürchtet: Hausaufgaben – und Examen.

„Was zum Donnerwetter ist mit all meiner Zeit passiert?“ beklagte sich Dot einmal spät nachts, als sie tief in Bücher vertieft in der Bücherei saßen, umgeben von fast allen anderen Studenten.

„Du warst damit beschäftigt, Legolas zu belästigen, erinnerst du dich?“ erwiderte Lina und blätterte eine Seite um.

„Halt die Klappe. Du warst kein bisschen besser, weißt du? Aber die Ferien werden nett sein – ganze 14 Tage weg, wie reizend von denen, uns so viel Zeit zu geben. Ha! Und ich nehme an, du wirst diese ganzen zwei Wochen irgendwo mit Gimli unterwegs sein?“

Lina gluckste nur sanft, während sie ihre Platonische Liebe-Notizen durchging.

„Ich hätte Rain und Kala meine Notizen nicht leihen sollen.“ bemerkte sie. „Überall, wo ich Sams Namen geschrieben habe, hat sie ein Herzchen drumherum gemalt. Und Kala hat unten auf sämtliche Seiten ,Frodo ist böse’ geschrieben.“

„Frodo? Der anbetungswürdige kleine Hobbit Frodo?“

„Jawollja.“

“Riiichtig.”

„Hast du nicht gerade erst gesagt, dass er und Sam böse wären , weil sie dir überhaupt ein Examen aufgebrummt haben?“

„Halt den Schnabel, oder ich haue dich mit meinem ,Alles, was Sie über Elben wissen müssen’-Buch.“

„Das, für das man einen Kran braucht, um es hochzuheben?“

Brötchenfuß knabberte gefühlvoll an den Notizen, während Brotbein und Zehchen (der allerdings versprochen hatte, an diesem Tag keine schlechte Rechtschreibung zu verbreiten) sich irgendwo unter dem Tisch befanden. So ein richtig friedlicher Nachmittag, wirklich - was üblicherweise bedeutete, dass irgend etwas jeden Moment in die Luft gehen würde. Zu viel Ruhe war nie ein gutes Zeichen.

Lina hatte allerdings nicht erwartet, dieses Etwas in Form der Nazgûls zu sehen, die hereinkamen und so finster wie üblich aussahen – abgesehen davon, dass einer von ihnen so ausgeblichen war, dass man ihn kaum noch als schwarz bezeichnen konnte.

„Was ist los mit denen?“ fragte Tabby, die aussah, als würde sie demnächst ihr Kaugummi nach ihnen spucken.

„Nazzzgûl Drei hat gegesssen, wasss Gandalf gekocht hat.“ sagte einer der Nazgûl. „Fängt an, weissss zzu werden. Nicht furchteinflössssssend. Sssuchen nach Buch dassss in Ordnung zzzu bringen. Ssssauron sssagt Nazzzgul können nicht Gandalf um Hilfe bitten. Dasssss nicht bössse.“

„Na dann...“ murmelte Lina kopfschüttelnd. „Warum fragt ihr nicht Saruman?“

„Sssaruman damit beschäftigt, Hexenkönig wieder in anssständigen Nazzzgûl zu verwandeln.“

„Oh.“ Lina war sich nicht sicher, ob ihr diese Aussicht gefiel. Es war schwierig genug, ihm aus dem Weg zu gehen, so lange er eine Wand war, und wenn er tatsächlich herumlief... Sie schauderte.

„Wie sollen wir das eigentlich alles überstehen?“ beschwerte sich Dot. „Sauron wird uns wahrscheinlich alle durchfallen lassen, bloß um seine Bosheit zu beweisen, Elrond fordert enzyklopädische Kenntnisse, Aragorns Expeditionen in die Wildnis werden wahrscheinlich dazu führen, dass wir alle von Wölfen gefressen werden, und ,Platonische Liebe’ ist so schwer...“

„Wenigstens gib es kein ,Was verbirgt ein Name’-Examen.“ erwiderte Lina.

„Oh ja, weil wir dieses Fach auch im nächsten Semester haben. Wirklich ein Trost.“

„He, es könnte zu weniger Mini-Balrogs führen, so dass du dich leichter in die Lehrkörper-Abteilung schleichen kannst.“

„Das ist eine Idee...“sagte Dot träumerisch. „Dieser neue – Celebrain – hat mein ,Platonische Liebe genießen’-Buch gefressen, dabei bin ich bloß vorbeigelaufen!“

Lina grinste nur und malte ein eigenes Herz in die Notizen. Nicht um Sams Namen, natürlich.

„Ja, grins du nur, Miss ,Freier Zutritt’. An einem dieser Tage wird irgend jemand verzweifelt genug sein, dass er dich mit der Drohung, dich zu ,urpurisieren’, zwingt, ihn in die Lehrkörper-Abteilung zu führen.“

„Oh, Cerridwyn hat das schon probiert und mir angedroht, mich urpurn anzumalen. Ist nicht sehr gut gegangen. Grimli und Legoals, das Wunder-Duo, waren auf der Hut.“ Lina kicherte. „Sie halten den höchsten Fang-ReKord, weißt du. Und sie schätzen es gar nicht, wenn man Urpurfarbe über ihnen verschüttet.“

„Au.“

„Ja... tatsächlich gibt es einen Preis für den, der die meisten von den Mädels einfängt, die versuchen, sich einzuschleichen.“

„Was ist der Preis?“

„Ein kleiner Mini-Abgrund zum Drüber-Herrschen.“

Die beiden warfen ein Blick auf den armen, erbleichenden Nazgûl, der langsam anfing, wie der Eiskrem-Nazgûl auszusehen.

„Warum hat er das Zeug überhaupt gegessen? Gandalfs Küche ist so etwas wie die Umweltverschmutzung!“

DerEiskrem-Nazgûl warf ihr einen säuerlichen Blick zu. „Kleine Halblinge sssagen Nazzzgûl Drei traut ssssich nicht. Ha! Nazzzgûl Drei traut sssich immer.“

„Die Qualität der bösen Günstlinge heutzutage...“ sagte Gami, die am Tisch hinter ihnen saß, mit betrübter Stimme und schüttelte den Kopf.

„Beschämend, wirklich.“ fügte Knight Obi hinzu. „Bei der Orkischen Inquisition sterben die Leute wohl eher vor Lachen als vor Angst.“

Das Pärchen (beide in der Schwesternschaft des Bösen) warf einander einen düsteren Blick zu.

„Der Zustand des Bösen ist eine traurige Geschichte, wirklich eine traurige Geschichte.“

„Ach, wie traurig.“ murmelte Lina trocken und blätterte zu einer anderen Seite. Ihre Gedanken waren sowieso nicht beim Lesen; sie verlor sich in Tagträumen (ziemlich nette Tagträume noch dazu). Sie bekam die plötzliche Aufregung der Nazgûl kaum mit und auch nicht ihren Abmarsch, bis Dot sie plötzlich in die Seite stieß.

„Was?“

„Saruman ist gekommen und hat gesagt, er hätte den Hexenkönig restauriert!“

„Oh nein...“

“„Wollen wir nachsehen gehen?“

„Sollten wir wohl besser...“

Sie folgten den Nazgûl, die mit aufgeregten Stimmen murmelten (außer dem düster dreinblickenden Eiskrem-Nazgûl, der murmelte, ,er hätte nichts, was zu Weiß passt’)

Sobald sie allerdings die Toiletten erreicht hatten, erstarb die Aufregung. Stattdessen gab es ein langes, erstauntes Schweigen. Ein Schweigen, das Bände sprach, in diesem Fall Bände der Verblüffung.

Denn dort, zwischen den Toiletten, stand der Hexenkönig (oder wovon Lina annahm, dass es der Hexenkönig war) – und was immer Saruman getan hatte, es hatte die Situation nicht verbessert. Ganz im Gegenteil.

„Was?“ fragte der Hexenkönig, der die starrenden Blicke bemerkte. „Saruman, du hast gesagt, ich wäre restauriert!“

„Mann...“ sagte Knight Obi, „du hast dich in eine Toilette verwandelt!“

Saruman, der sich gegen eine der Kabinen lehnte, sah selbstzufrieden aus.

„Nette Handarbeit, nicht wahr? Haben Sie bemerkt, dass sein Gesicht auf dem Deckel ist? Keine Sorge, du wirst dich bald genug wie eine Toilette fühlen. Ich hätte vielleicht erwähnen sollen, dass ich jetzt für Morgoth arbeite. Nichts Persönliches. Ich gehe dahin, wo der böseste Wind weht.“

„Das Böse fällt dem Bösen in den Rücken.“ sagte Knight Obi und lächelte. „Nun, das ist schon besser!“


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